Region & Geschichte in der Region Latium

Etrusker bis DOCG

Region & Geschichte

Schon die Etrusker pflanzten Reben an den Hängen der Albaner Berge, lange bevor Rom zur Weltmacht wurde, und die Römer nannten ihren Wein aus den Hügeln bei Tusculum schlicht Tuscolano. Das ist der direkte Vorfahre dessen, was heute als Frascati im Glas steht. Wein aus Latium war damals kein Randprodukt. Er wurde in der Hauptstadt getrunken, an jedem Tisch, jeden Tag.

Im Jahr 92 nach Christus wuchs so viel Wein rund um Rom, dass Kaiser Domitian eingriff, neue Pflanzungen in Italien verbot und Reben in den Provinzen roden ließ, weil er ein Getreidedefizit fürchtete. Der Erlass wurde erst knapp zweihundert Jahre später wieder aufgehoben. Für die Hügel um Rom bedeutete das trotzdem: Hier stand schon so viel Wein, dass ein Kaiser sich genötigt sah, ihn zu begrenzen.

Nördlich von Rom, an der alten Pilgerstraße Via Francigena, entstand 1111 eine der bekanntesten Weinlegenden Italiens. Ein Bischof namens Johannes Defuk schickte seinen Diener voraus, um Gasthäuser mit gutem Wein zu markieren. In Montefiascone schrieb der Diener gleich dreimal Est an die Tür, es gibt Wein. Der Bischof blieb dort bis zu seinem Tod. Ob die Geschichte wahr ist, weiß niemand mehr. Der Wein heißt bis heute Est! Est!! Est!!! Sein Grabstein in der Kirche San Flaviano erzählt die Pointe selbst.

Modern wurde die Geschichte erst 1949, als achtzehn Winzer aus Frascati ein Schutzkonsortium gründeten, und 1966 kam die DOC, als eine der ersten vier überhaupt in Italien. Doch der Ruhm hatte einen Preis. In den römischen Fraschette wurde der Frascati literweise offen ausgeschenkt, meist jung, mit welchen weißen Trauben gerade zur Hand waren, und der Ruf litt jahrzehntelang unter Massenware statt Handwerk.

Die Wende kam erst mit der nächsten Winzergeneration, die auf Ertrag verzichtete und auf die alte Sorte Malvasia Puntinata setzte statt auf die einfachere Malvasia di Candia. 2008 bekam der Cesanese del Piglio als erster Rotwein Latiums die DOCG. 2011 folgten Frascati Superiore und der süße Cannellino di Frascati. Zwei Weine, eine Region, zwei ganz unterschiedliche Wiederentdeckungen.

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