
Vulkan und Meer
Klima
Latium liegt an der Grenze zwischen zwei Klimazonen, und die Castelli Romani sitzen genau dazwischen. Nur fünfundzwanzig Kilometer trennen die Weinberge vom Tyrrhenischen Meer. Der Wind, der abends von dort heraufzieht, kühlt die Hänge zuverlässig ab, während die Sonne tagsüber lange auf dem alten Kraterrand der Colli Albani steht.
Die Reben wachsen zwischen etwa hundertfünfzig und vierhundert Metern Höhe, an den Flanken eines erloschenen Vulkans, dessen bekanntester Gipfel, der Monte Cavo, fast tausend Meter erreicht. Zwei Kraterseen, Albano und Nemi, liegen mitten in diesem Kessel. Sie wirken wie ein Wärmespeicher, geben nachts Feuchtigkeit ab und mildern Fröste, die weiter draußen in der Ebene durchaus vorkommen.
Ganz anders liegt Piglio, gut fünfzig Kilometer östlich, am Fuß der Monti Ernici im Landesinneren. Hier fehlt der Meereswind fast völlig. Dafür schwankt die Temperatur zwischen Tag und Nacht deutlich stärker als an der Küste. Diese Schwankung hält die Säure im Cesanese fest, den man sonst bei der Reife im Spätsommer schnell verliert — ein kontinentaler Zug mitten in einer sonst mediterranen Region.
Regen fällt in Latium vor allem im Herbst und Winter. Die Sommer bleiben meist trocken, was den drainagestarken Vulkanböden entgegenkommt. Sie halten kaum Wasser, geben es aber sofort wieder ab, sobald es fällt, statt es tagelang zu stauen.
Auch hier verschiebt sich der Erntekalender. Früher begann die Lese der Malvasia meist Anfang September, heute oft schon Ende August. Winzer in Piglio pflanzen inzwischen wieder in höheren, kühleren Lagen, um die Säure im Cesanese länger zu bewahren.