
An einer Sassella
Verkosten
Nimm eine Sassella, eine der fünf benannten Lagen des Veltlins. Halt das Glas gegen das Licht. Die Farbe ist hell für einen Rotwein, fast granatrot mit orangen Reflexen am Rand — ein Merkmal, das Chiavennasca mit jedem Nebbiolo teilt, egal woher er stammt.
Riech zweimal hin. Einmal ruhig, einmal nach dem Schwenken. In der dünnen Bergluft des Veltlins reift die Traube langsam, und genau das schmeckt man im Glas: getrocknete Kräuter, Bergamotte, manchmal ein Hauch Veilchen. Dazu kommt eine feine, fast staubige Note, die viele an den hellen Granitboden erinnert, auf dem die Reben stehen.
Im Mund fällt zuerst die Säure auf. Sie sitzt seitlich an der Zunge, frisch und geradezu stechend. Erst danach kommt das Tannin, feinkörnig statt grob, und beides zusammen macht diesen Wein zu einem, der Fett und Salz im Essen geradezu verlangt.
Wer denselben Abend einen Franciacorta probiert, verkostet fast anders. Bei Schaumwein zählt zuerst die Perlage: feine, gleichmäßig aufsteigende Bläschen sprechen für lange Hefelagerung, große, unruhige Blasen für einen jungen, einfachen Wein. Dann erst folgen Duft und Geschmack, oft mit Noten von Brioche und geröstetem Brot aus der Zeit auf der Hefe.
Am Ende zähl den Abgang. Bei der Sassella bleibt ein herber, kräuteriger Nachhall, der lange an Kirsche und Kräuter erinnert, beim Franciacorta dagegen eher ein feines Prickeln auf der Zunge, das noch Sekunden nachwirkt, lange nachdem die letzte Blase zerplatzt ist.