Böden in der Region Sardinien

Sand & Granit

Böden

Grab auf der Insel Sant'Antioco im Süden ein Loch in einen Weinberg, direkt hinter den Dünen. Schon nach wenigen Zentimetern hast du keine Erde mehr in der Hand, sondern reinen, hellen Sand, fein und locker wie am Strand nebenan. Wurzeln finden darin fast keinen Halt und noch weniger Nahrung. Genau das ist der Grund, warum hier noch Reben wachsen, die anderswo in Europa längst verschwunden sind.

Die Reblaus, jener wurzelfressende Schädling, der Europas Weinberge im späten neunzehnten Jahrhundert fast vollständig vernichtete, kann sich in losem Sand nicht fortbewegen. Sie braucht feste Erde, durch die sie ihre Gänge gräbt. In Sant'Antioco findet sie keine. Deshalb stehen hier bis heute Carignano-Stöcke auf ihren eigenen, nie gepfropften Wurzeln, manche über hundert Jahre alt, gepflegt in der niedrigen Buschform namens Alberello latino.

Unter der obersten, lockeren Schicht wird der Sand fester und dichter, mit Muschelresten aus früheren Meeresständen durchsetzt. Noch tiefer stößt man auf verfestigten, rötlichen Dünensand aus einer weit älteren Epoche, zu Gestein verbacken durch kalkhaltiges Bindemittel. Diese Schicht leistet beim Graben Widerstand. Der lockere Sand darüber rinnt dagegen einfach durch die Finger.

Eine Rebe auf solchem Boden muss tief wandern, um überhaupt an Wasser zu kommen. Sie treibt lange, dünne Wurzeln in die Tiefe, manchmal mehrere Meter. Oben produziert sie dafür kleine, dickschalige Beeren, weil kaum Wasser übrig bleibt, um sie aufzuschwemmen. In der Schale sitzen Farbe und Tannin, und deshalb schmeckt ein Carignano von diesen alten Sandböden dichter und dunkler als mancher jüngere Wein von fruchtbarerem Land.

Im Norden der Insel sieht die Geschichte völlig anders aus. In der Gallura verwittert rosafarbener Granit zu grobem, wasserdurchlässigem Sand, der Vermentino seinen salzigen, mineralischen Zug gibt. Das liegt nicht daran, dass die Wurzel Gestein schmeckt, sondern daran, dass dieser Boden Wärme speichert und Wasser rasch ableitet. Zwei Inseln in einer Insel: hier Granitsand, dort Dünensand, und beide erzählen auf ihre Weise, warum sardische Weine so wenig miteinander gemeinsam haben.

Grab dich durchSchicht antippen

Heller, feiner Flugsand ohne erkennbare Schichtung, direkt hinter den Küstendünen von Sant'Antioco abgelagert.

Die Wurzel: Fast nackter Halt. Die Feinwurzeln finden hier kaum Nährstoffe und ziehen sofort weiter nach unten.

Bilder mit KI erstellt · Texte KI-gestützt, redaktionell geprüft

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