
Wind, Sonne, Meer
Klima
Sardinien zählt zu den sonnenreichsten Regionen Italiens. Im Schnitt scheint die Sonne an rund dreihundert Tagen im Jahr, im August oft zehn bis elf Stunden am Tag. Das mediterrane Klima bringt lange, trockene Sommer und milde, feuchtere Winter. Für Trauben bedeutet das viel Reifezeit, aber auch die Gefahr, dass ihnen die Säure ausgeht, bevor der Zucker genug angesammelt ist.
Was die Insel davor bewahrt, ist der Wind. Der Maestrale weht meist aus Nordwesten, oft böig und im Frühjahr wie im Herbst besonders zuverlässig, und kühlt die Rebflächen an heißen Nachmittagen. Er trocknet die Trauben rasch nach Regen ab und hält so Pilzkrankheiten fern, die in feuchter, stiller Luft viel schneller entstehen würden. Winzer in der Gallura sprechen manchmal davon, dass ihr Wein nach Wind schmeckt.
Das Meer wirkt wie ein riesiger Temperaturpuffer. An der Küste bleiben die Nächte auch im Hochsommer mild, selten unter zwanzig Grad, während es im Landesinneren, in der Barbagia, deutlich kühler wird, sobald die Sonne untergeht. Diese Bergregion liegt oft zwischen zwei- und siebenhundert Metern hoch. Der Unterschied zwischen Tag und Nacht sorgt dort für Weine mit mehr Frische, obwohl die Region weiter vom Meer entfernt liegt als die Küstenlagen.
Im Sommer kann aus Süden auch der Scirocco kommen, heiß und trocken aus der Sahara. Er treibt binnen weniger Stunden die Temperaturen deutlich hoch. Dieser Wind ist seltener als der Maestrale. Er ist aber deutlich unangenehmer für die Reben, denn er lässt Beeren welken statt reifen und zwingt manche Winzer, früher zu ernten, als sie eigentlich wollten.
Wie früh geerntet wird, hängt deshalb stark davon ab, wo ein Weinberg liegt. An der Küste im Sulcis beginnt die Lese oft schon Ende August, während man in den höheren Lagen der Barbagia und um Oliena bis in den Oktober wartet. Zwischen diesen beiden Terminen liegt das gesamte Klimaspektrum der Insel. Von südlicher Hitze bis zu fast alpiner Kühle, auf demselben Fleck Land.