Gläser in der Region Sizilien

Hell und dunkel

Gläser

Zwei fast entgegengesetzte Rotweine wachsen auf derselben Insel, und keiner passt in das Glas des anderen. Ein Etna Rosso vom Ätna aus Nerello Mascalese ist hell, duftig und von feiner Säure getragen; ein Nero d'Avola von der Küste ist dunkel, kräftig und dicht mit Tannin.

Für den Etna Rosso lohnt sich ein weiter, bauchiger Kelch, wie man ihn sonst für Pinot Noir nimmt. Die große Oberfläche lässt die zarten Aromen — rote Kirsche, Kräuter, ein Hauch Rauch vom Vulkangestein — überhaupt erst aufsteigen, und die enger werdende Öffnung sammelt sie dann, bevor sie sich in der Raumluft verlieren. Ein zu kleines Glas erstickt diesen Wein, noch bevor man ihn richtig gerochen hat.

Ein Nero d'Avola verlangt das Gegenteil. Er will einen etwas schlankeren, hoch aufragenden Kelch mit kleinerer Öffnung, ähnlich einem Bordeauxglas. Der Wein bekommt so genug Luftkontakt, um seine Tannine zu runden. Die engere Öffnung lenkt ihn gezielt zur Zungenmitte statt an die seitlichen Ränder, wo Säure und Bitterkeit am stärksten wirken. Serviert bei sechzehn bis achtzehn Grad zeigt er Frucht statt Alkohol. Wärmer verliert er schnell seine Kontur.

Marsala trinkt man aus einem kleinen Glas, kaum größer als ein doppelter Espresso. Ein Likörweinglas oder notfalls ein kleines Sherryglas reicht völlig. Bei einem Wein mit fünfzehn bis zwanzig Volumenprozent Alkohol würde ein großer Kelch die Hitze im Mund nur verstärken. Statt Rosinen, Honig und Nuss zu tragen, würde er vor allem den Alkohol betonen.

Für den Passito di Pantelleria gilt fast dasselbe, nur kälter. Gut gekühlt auf zehn bis zwölf Grad, im kleinen Glas, in kleinen Schlucken. Die konzentrierte Süße des eingetrockneten Zibibbo verträgt keine Wärme, sonst wirkt sie klebrig statt frisch. Genau diese Frische unterscheidet einen guten Passito von einem bloßen Sirup.

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