
Porphyr & Flusskies
Böden
Grab in einem Weinberg auf dem Campo Rotaliano ein Loch. Schon nach wenigen Spatenstichen stößt du auf rundes Geröll: hellgraue, wassergeschliffene Kiesel, dazwischen rötliche Bröckchen aus Porphyr. Das ist kein Zufall. Der Boden hier ist ein gewaltiger Schwemmkegel, aufgeschüttet vom Fluss Noce, der über Jahrtausende Gestein aus den Dolomiten und dem Nonstal heruntertrug und an der Mündung in die Etsch ablagerte.
Das Wasser läuft durch dieses Geröll fast ungebremst hindurch. Es gibt kaum Ton, der es festhalten könnte, und so trocknet die oberste Schicht im Sommer rasch aus. Die Rebe reagiert darauf, wie sie es immer tut: Sie treibt ihre Wurzeln in die Tiefe, zwei, drei, manchmal vier Meter, auf der Suche nach Feuchtigkeit zwischen den Steinen. Genau das braucht Teroldego, um seine dicke Schale und seine dunkle Farbe zu entwickeln.
Weiter oben, im Val di Cembra, sieht der Boden völlig anders aus. Dort liegt kein Flusskies, sondern gewachsener Fels: rötlicher Porphyr, vor rund 280 Millionen Jahren aus Vulkanausbrüchen erstarrt, heute in steile Terrassen geschnitten. Mehr als siebenhundert Kilometer Trockenmauern halten dort den Hang zusammen, von Generationen Winzer von Hand geschichtet. Manche Terrassen sind so schmal, dass nur zwei Rebzeilen darauf Platz finden.
Beide Böden speichern Wärme auf ihre eigene Art. Der helle Kies am Campo Rotaliano reflektiert Sonnenlicht und gibt es an die Trauben zurück, wodurch sie schneller reifen als das Thermometer vermuten lässt. Der dunkle Porphyr im Cembratal dagegen speichert die Tageswärme im Gestein selbst und gibt sie erst in der Nacht langsam wieder ab. So bleiben Reben an steilen Porphyrhängen auch bei kühlen Temperaturen geschützt.
Porphyr ist zudem ein karger Fels. Er enthält kaum Kalk und wenig Stickstoff, weshalb die Reben auf ihm von Natur aus schwach wachsen und kleine, konzentrierte Trauben bilden. Winzer im Cembratal düngen deshalb kaum, sie müssen es auch nicht: Der Boden selbst bremst den Ertrag. Aus dem, was übrig bleibt, entstehen Weißweine mit auffällig viel Extrakt für ihre Höhenlage.
Dünne, sandig-lehmige Auflage, seit Jahrhunderten bewirtschaftet und mit wenig organischem Material durchsetzt.
Die Wurzel: Hier liegen die Feinwurzeln. Sie greifen nach Regen zu und sind im trockenen Sommer als Erste erschöpft.