
Bordeaux-Glas für Purcari
Gläser
Zwei Weine aus derselben Gegend brauchen zwei ganz verschiedene Gläser, und das liegt an der Rara Neagră. Sie ist hell, säurebetont und schlank, fast wie ein kräftiger Rotwein aus Burgund, und ein bauchiges Glas mit engem Rand hilft, diese Frische zu bündeln, bevor sie sich in der Luft verliert und der Duft zu schnell verfliegt. Ein zu großes Glas verpufft ihren Duft, bevor er die Nase erreicht.
Der Negru de Purcari verlangt das genaue Gegenteil. Cabernet Sauvignon, Saperavi und ein Schuss Rara Neagră ergeben zusammen einen dichten, tanninreichen Wein. Nach achtzehn Monaten im französischen Eichenfass wirkt er oft noch geschlossen, wenn die Flasche geöffnet wird. Ein großes, weit geschwungenes Glas gibt ihm Luft. Das Tannin, der trocknende, pelzige Griff im Mund, wirkt darin runder, und wer Zeit hat, gießt ihn eine Stunde vorher in eine Karaffe.
Bei den Weißweinen der Region, meist aus Fetească Albă oder Sauvignon Blanc, reicht ein schlankes, aufrechtes Glas. Beide Sorten leben von Frische und Zitrusaromen, nicht von Fülle, und ein enger Kelch hält die Kühle länger im Glas als eine weite Schale. Serviert werden sie kalt. Zwischen acht und zehn Grad sind sie deutlich kühler als die Rotweine der Region.
In den Verkostungsräumen von Purcari und Javgur stehen deshalb oft zwei Glasformen nebeneinander auf dem Tisch. Wer beide Weine im selben Glas probiert, schmeckt vor allem, wie unterschiedlich ein und dieselbe Landschaft Wein hervorbringen kann. Die Rara Neagră bleibt der leise Wein aus Ștefan Vodă, der Negru de Purcari der laute. Beide kommen von denselben Hügeln am Nistru.