Verkosten in der Region Hawke’s Bay

Pfeffer im Glas

Verkosten

Halte einen Hawke’s-Bay-Syrah gegen einen hellen Hintergrund. Die Farbe fällt dunkler und dichter aus als bei den meisten anderen Rotweinen, fast undurchsichtig violett am Kern, mit einem schmalen rubinroten Rand. Ein Cabernet-Merlot-Blend von den Gimblett Gravels zeigt dasselbe satte Violett, oft noch eine Spur dunkler als der Syrah daneben.

Der entscheidende Moment kommt beim Riechen. Viele Hawke’s-Bay-Syrahs zeigen eine deutliche Note von schwarzem Pfeffer, die auf ein einzelnes Molekül zurückgeht: Rotundon. Laut einer Untersuchung des Australian Wine Research Institute aus dem Jahr 2008 liegt die Wahrnehmungsschwelle für diesen Duftstoff zwischen acht Nanogramm pro Liter in Wasser und sechzehn in Rotwein. Winzige Mengen mit großer Wirkung. Kühlere Jahrgänge zeigen die Note stärker. Zu viel Reife brennt das Molekül regelrecht weg.

Beim Cabernet Sauvignon aus kühleren Jahrgängen riecht man dagegen manchmal grüne Paprika statt schwarzen Pfeffer, ein Zeichen, dass die Traube nicht ganz durchgereift ist. Ein wärmerer Sommer wie auf den Gimblett Gravels reduziert diesen Ton fast vollständig. Er macht stattdessen Platz für Cassis und dunkle Kirsche.

Im Mund merkt man bei beiden Stilen ein festes Tannin. Die Säure fällt dagegen milder aus, als man es aus kühleren Regionen kennt, weil die warmen Tage der Gimblett Gravels sie stärker abbauen. Die kühlen Nächte retten gerade genug davon, damit der Wein nicht schlaff wirkt.

Der Abgang eines guten Coleraine oder eines konzentrierten Gimblett-Gravels-Syrah zieht sich oft eine halbe Minute oder länger, mit Röstaromen vom Fass, die erst ganz am Ende auftauchen. Wer zu früh schluckt, verpasst genau diesen Teil, und damit die Hälfte des Grundes, warum diese Weine überhaupt so viel kosten.

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