Verkosten in der Region Marlborough

Passionsfrucht im Glas

Verkosten

Wer ein Glas Marlborough Sauvignon Blanc unter die Nase hält, riecht meistens zuerst Passionsfrucht. Dahinter folgen Stachelbeere und eine reife Grapefruit, manchmal ein Hauch schwarze Johannisbeerknospe. Wissenschaftler, die 2009 neuseeländische Sauvignon Blancs im direkten Vergleich mit französischen und südafrikanischen Weinen verkosteten, beschrieben dieses Profil klar. Es wirkte tropisch, süß, an schweißige Passionsfrucht erinnernd. Die europäischen Weine dagegen rochen für sie eher nach Feuerstein und Rauch.

Wer genauer riecht, findet oft noch eine grüne Note: frisch geschnittene Paprika oder Tomatenblatt. Verantwortlich dafür sind Methoxypyrazine, Aromastoffe, die in kühleren, windigeren Lagen wie dem Awatere Valley stärker ausfallen als in den wärmeren Teilen des Wairau. Eine Untersuchung aus dem Jahr 2012, die Trauben aus sieben verschiedenen Marlborough-Teilgebieten verglich, bestätigte genau diese Unterschiede zwischen den Tälern. Nichts davon ist Zufall.

Im Mund fällt zuerst die Säure auf, scharf und geradlinig, fast wie ein Biss in eine unreife Stachelbeere. Sie ist der Grund, warum diese Weine so durstlöschend wirken und warum sie sich so gut mit Essen vertragen. Wer erwartet, dass ein Weißwein rund und weich schmeckt, wird hier überrascht: Marlborough Sauvignon Blanc ist gebaut für Spannung, nicht für Sanftheit.

Ein Pinot Noir aus derselben Region schmeckt dagegen leiser. Das ist pure Zurückhaltung. Sauerkirsche und ein Hauch von Erdigkeit dominieren, dazu feine, manchmal noch kantige Tannine. Das ist jenes samtige Gefühl am Zahnfleisch, das bei jungen Pinots aus kühlem Klima oft noch nicht ganz rund wirkt. Legt man ihn ein paar Jahre in den Keller, wird genau diese Kante weicher.

Am Ende zählt, wie lange beides nachklingt. Bei einem guten Sauvignon Blanc bleibt die Frucht mehrere Sekunden im Mund stehen, bevor die Säure allein übrig bleibt. Bleibt gar nichts zurück, war der Wein meist zu jung geerntet oder zu kalt serviert, zwei Fehler, die sich in Marlborough besonders leicht vermeiden ließen.

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