Böden in der Region Burgenland

Leithakalk & Schiefer

Böden

Grab in einem Weinberg am Leithaberg ein Loch. Du stößt schnell auf helle, fast weiße Steinplatten. Das ist Leithakalk, ein poröses Kalkgestein voller winziger Löcher und manchmal ganzer Muschelabdrücke. Was heute als sanfter Hügelrücken über dem Neusiedlersee liegt, war vor sechzehn bis dreizehn Millionen Jahren Meeresboden. Rotalgen und Korallen bauten in einem warmen Flachmeer der sogenannten Paratethys über Jahrmillionen ein Riff auf, das sich mit der Zeit zu Stein verdichtete.

Unter dieser Kalkschicht liegt etwas viel Älteres. Der Kern des Leithagebirges besteht aus Gneis und Glimmerschiefer, kristallinem Gestein, das schon da war, lange bevor sich das Riff darüberlegte. Wo der Kalk dünn ist, arbeitet sich die Rebwurzel bis in diesen Schiefer vor. Genau dort entstehen die strengsten, langlebigsten Weine der Gegend, mit einer rauchig-mineralischen Note, die reiner Kalkboden so nicht hergibt.

Eine knappe Autostunde südlich sieht der Untergrund völlig anders aus. Im Mittelburgenland liegt Löss über schwerem Lehm, feinkörniger Windstaub aus der letzten Eiszeit, der Wasser wie ein Schwamm speichert. Blaufränkisch von diesen Böden wirkt runder und dunkelbeeriger als der vom Leithaberg, mit weniger Kanten und mehr Fülle — der Unterschied lässt sich blind erschmecken, ganz ohne Etikett.

Ganz im Süden kommt ein dritter Boden dazu. Am Eisenberg liegt grüner Schiefer, durchsetzt mit eisenschüssigem Ton, den die Winzer der Gegend schlicht die Blaufränkisch-Erde nennen. Kaum eine andere Lage gibt der Sorte eine so kühl-mineralische, fast pfeffrige Schärfe. Das Eisen im Ton gibt dem Wein Struktur, das grüne Gestein die kühle Würze — zwei Zutaten, die es in dieser Kombination nur hier gibt.

Ein Irrtum hält sich hartnäckig, gerade weil die Böden hier so unterschiedlich aussehen. Der Kalk vom Leithaberg schmeckt nicht direkt im Glas, so wenig wie der Schiefer vom Eisenberg als Stein auf der Zunge liegt. Was wirklich wirkt, ist der Umweg über Wasser und Wärme. Kalk speichert wenig Feuchtigkeit und reflektiert Licht, Schiefer speichert Wärme und gibt sie nachts zurück, Lehm hält Wasser lange fest. Diese Umwege prägen, wie eine Rebe wächst, nicht, was in ihrer Wurzel ankommt.

Grab dich durchSchicht antippen

Dünne dunkle Auflage über feinkörnigem Lössstaub, wie er in weiten Teilen des Burgenlands liegt.

Die Wurzel: Hier liegen die Feinwurzeln. Nach Regen ist die Schicht schnell feucht, im Sommer ebenso schnell wieder trocken.

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