
An einem Blaufränkisch
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Kipp ein Glas Blaufränkisch gegen einen weißen Untergrund. Die Farbe ist tief und dicht, fast ins Violette, ganz anders als das durchscheinende Rubinrot mancher südeuropäischer Rotweine. Das ist ein Hinweis auf die dicke Schale und das viele Tannin, das noch kommt. Am Rand zeigt ein junger Wein oft einen bläulichen Schimmer, der mit den Jahren ins Ziegelrote wechselt.
Riech zweimal, einmal ruhig, einmal nach dem Schwenken. Im ruhigen Glas kommt meist dunkle Beerenfrucht zuerst, Brombeere und Sauerkirsche. Erst nach dem Schwenken folgt die Würze, für die die Sorte berühmt ist: schwarzer Pfeffer, manchmal auch etwas Rauchiges, das viele Verkoster mit den Schieferböden am Eisenberg in Verbindung bringen.
Im Mund trennt sich Säure von Tannin, wenn man genau achtet: Die Säure läuft seitlich über die Zunge und lässt Speichel fließen. Das Tannin liegt als trockenes, griffiges Gefühl auf Zahnfleisch und Gaumen — bei Blaufränkisch deutlich kräftiger als bei den meisten anderen österreichischen Rotweinen. Ein guter Wein trägt beides mühelos, ohne dass der eine Eindruck den anderen erschlägt.
Am Ende zähl die Sekunden, in denen der Geschmack bleibt. Bei einem einfachen Neusiedlersee DAC Zweigelt sind es oft nur wenige. Bei einem gereiften Eisenberg DAC Reserve zwanzig oder mehr, mit einem Nachhall aus Pfeffer und dunkler Frucht. Genau dieser Unterschied zeigt, wie weit die Sorte Blaufränkisch reicht: vom leichten Alltagswein bis zum jahrzehntelang lagerfähigen Spitzenwein.
Ein Ruster Ausbruch verlangt eine andere Art zu riechen. In der Farbe zeigt er sich goldgelb bis bernsteinfarben, im Duft nach Aprikose, Honig und manchmal Safran — typische Aromen der Botrytis, der Edelfäule. Im Mund folgt eine Süße, die von einer ebenso kräftigen Säure getragen wird. Fehlt diese Säure, wirkt selbst der beste Ausbruch nur klebrig.