
Muschelkalk & Lehm
Böden
Zwischen dem Anninger und dem Eichkogel verläuft eine Verwerfung, die Thermenlinie. An ihr bricht der Rand des Wiener Beckens ab, und genau dort tritt seit der Römerzeit das Wasser aus, dem Baden und Bad Vöslau ihren Namen und ihren Ruf verdanken. Für die Weingärten an ihrem Rand zählt aber etwas anderes an dieser Bruchlinie: Sie ist der Grund, warum der Boden hier so viel Kalk enthält.
Vor rund 19 Millionen Jahren stand an dieser Stelle noch Meer. Zehn Millionen Jahre später schnürte es sich vom offenen Ozean ab. Daraus wurde ein Süßwassersee, gespeist von Bächen aus dem Wienerwald. Am Eichkogel liegt bis heute der Kalkstein, der sich in diesem See gebildet hat: ein Süßwasserkalk, hell und massiv.
Grab an einem Südhang bei Gumpoldskirchen ein Loch. Du triffst zuerst auf Schotter: verfestigten und losen Kalkschotter voller Muschel- und Schneckenreste, Zeugen des alten Meeres. Dieser Muschelkalk speichert tagsüber Wärme und gibt sie nachts wieder ab, auch wenn eine Rebwurzel davon nichts schmeckt. Der Effekt läuft über Temperatur und Wasserhaushalt, nicht über den Geschmack des Gesteins selbst.
Nicht überall sieht der Boden gleich aus. Im Süden, um Bad Vöslau, Sooß und Tattendorf, liegt schotterreicher Muschelkalk, der den roten Sorten wie St. Laurent Wärme und guten Wasserabzug gibt. Weiter nördlich, bei Perchtoldsdorf, wird der Boden lehmiger und feuchter. Dort stehen eher Weißweinsorten, und der Lehm hält auch in trockenen Sommern noch etwas Wasser zurück.
Für Zierfandler und Rotgipfler auf dem Kalk der Eichkogel-Hänge bedeutet der magere, steinige Grund vor allem eines: kleine, konzentrierte Beeren. Die Rebe zwängt sich zwischen den Schotterlagen hindurch und findet dabei wenig Nährstoffe und noch weniger Wasser. Genau dieser Mangel treibt sie dazu, in der Beerenschale mehr Aroma zu konzentrieren, als ein satter Boden ihr je abverlangen würde.
Dünne dunkle Auflage aus verrottetem Laub, an den Südhängen von Anninger und Eichkogel oft nur eine Handbreit dick.
Die Wurzel: Hier liegen die Feinwurzeln und holen, was der nächste Regen bringt — und sind als Erste wieder trocken.