
Gebiet, Ort, Ried
Verkosten
Am besten lernt man den Wagram nicht aus einer Flasche, sondern aus drei. Stell einen Gebietswein, einen Ortswein und einen Riedenwein aus derselben Sorte nebeneinander, am besten Grüner Veltliner. Du verkostest damit die DAC-Pyramide genau so, wie sie gedacht ist: von unten nach oben, vom weiten Gebiet zur einzelnen Lage.
Der Gebietswein öffnet die Reihe. Er darf aus dem ganzen Wagram stammen, schmeckt unkompliziert nach grünem Apfel und Zitrusschale, und ist zum schnellen Trinken gemacht, nicht zum Nachdenken. Der Ortswein kommt als Nächstes und stammt aus einer der siebenundzwanzig zugelassenen Gemeinden, etwa Fels am Wagram oder Kirchberg am Wagram. Er zeigt mehr Körper, weil er nur aus reiferen, sortenreinen Trauben stehen darf, und die Zitrusnote weicht reiferem Steinobst.
Ganz oben steht der Riedenwein, benannt nach einer einzelnen Lage. Nur Grüner Veltliner, Roter Veltliner und Riesling dürfen diese Stufe erreichen. Der Unterschied zu den beiden Weinen davor ist selten subtil: mehr Dichte, ein längerer Nachhall im Mund, manchmal eine feine Röstnote vom Löss, die man sich einbildet, aber vermutlich wirklich schmeckt. Solche Weine vertragen fünf, zehn Jahre im Keller, ohne müde zu werden.
Stellst du daneben einen Roten Veltliner aus derselben Lage, wird der Unterschied zwischen den beiden Sorten sofort greifbar. Die Farbe fällt zuerst auf, kräftiger, fast goldgelb statt strohgelb. In der Nase folgen reifer Apfel, Quitte und ein Hauch Nuss. Im Mund bleibt ein Extrakt, der an der Zunge klebt, ganz anders als die schlanke Frische des Grünen. Wer beide direkt nacheinander verkostet, versteht sofort, warum man sie trotz des gemeinsamen Namens nie verwechseln sollte. Genau das macht den Unterschied.