
Schmal, grün, kühl
Gläser
Ein Glas entscheidet, wie viel von Pfeffer und Frucht überhaupt in der Nase ankommt. Beim Grünen Veltliner aus dem Weinviertel ist das besonders heikel, weil die Pfeffernote ohnehin nur ein Hauch ist. Ein bekannter Glashersteller hat eigens ein Glas für die Sorte entworfen, schlank und mit einem grün eingefärbten Stiel, eine Anspielung auf alte Weinviertler Trinkgläser.
Die schmale, nach oben leicht verjüngte Form ist kein Designspiel. Sie bündelt die flüchtigen Aromen über der Öffnung, statt sie in einer weiten Schale verfliegen zu lassen, was zählt, weil der Duftstoff hinter dem Pfefferl, Rotundon genannt, ohnehin nur in winzigen Mengen in der Luft steht. Ein zu offenes Glas verschenkt ihn fast vollständig.
Bei der Temperatur gilt: kühl, aber nicht eisig. Acht bis zehn Grad passen für einen trockenen Weinviertel DAC Klassik. Zu kalt, und die Säure wirkt hart. Zu warm, und das Pfefferl tritt zurück. Eine Reserve mit etwas Holzkontakt verträgt ein, zwei Grad mehr, damit sich ihre rundere, dichtere Frucht öffnen kann.
Wer beim ersten Riechen kein Pfefferl findet, muss sich keine Sorgen machen. Rund ein Fünftel aller Menschen kann Rotundon überhaupt nicht wahrnehmen, ganz gleich, wie gut das Glas ist. Für alle anderen liegt die Konzentration in manchen Weinvierteler Veltlinern beim bis zu Siebzehnfachen der Wahrnehmungsschwelle — dort hilft dann auch ein einfaches Glas.
Karaffiert wird selten, und wenn, dann kurz. Ein junger Klassik braucht keine Luft, ein paar Minuten reichen bei einer gereiften Großen Reserve, die nach ihrem langen Kellerausbau noch etwas verschlossen wirkt. Eingeschenkt wird wie bei jedem Weißwein bis zur breitesten Stelle des Kelchs, nicht höher. Der Rest bleibt Platz für die Nase, die bei dieser Sorte ohnehin genug zu tun hat.