
Saibro & Granit
Böden
Grab in einem Weinberg des Dão ein Loch, und du triffst schnell auf körnigen Grus statt auf Erde. Die Portugiesen nennen ihn saibro: verwitterten Granit, in lose Quarz- und Feldspatkörner zerfallen, sandig und locker zwischen den Fingern. Über neunzig Prozent der Weinberge der Region stehen auf diesem Untergrund.
Seine Herkunft liegt tief in der Erdgeschichte. Granit ist erstarrtes Magma, das nie an die Oberfläche kam, sondern langsam unter älterem Gestein auskühlte, bis die darüberliegenden Schichten abgetragen waren und er frei wurde, um zu verwittern. Wasser und Temperaturwechsel sprengen ihn seitdem in immer feinere Körner, ohne ihn je vollständig aufzulösen.
Für die Rebwurzel ist das eine Übungsstrecke. Sie findet zwischen den Körnern zwar leicht Luft und Wasser, aber kaum Nährstoffe, und treibt deshalb tief, oft mehrere Meter, bis sie auf Feuchtigkeit stößt, die der trockene Sommer oben längst verbraucht hat. Diese Tiefensuche kostet Kraft. Sie bleibt klein.
Kleine Beeren bedeuten mehr Schale im Verhältnis zum Saft. In der Schale sitzen Farbe, Tannin und der größte Teil der Aromastoffe. Ein Dão von magerem saibro schmeckt deshalb dichter als einer aus einer der wenigen Talsohlen, in denen sich mehr Feinerde gesammelt hat.
Unter dem lockeren Grus liegt irgendwann das feste Muttergestein, an dem alles hängt. Wo es reißt, findet die Wurzel schmale Klüfte voller Restfeuchte, und genau diese Risse entscheiden über trockene Jahre, denn ein Winzer kann den Grus tief pflügen, das Muttergestein darunter aber nicht. Genau das macht zwei Parzellen weniger als hundert Meter auseinander manchmal zu zwei verschiedenen Weinen.
Dünne dunkle Auflage aus verrottetem Laub und etwas organischer Substanz. Auf magerem Granit bleibt sie flach, weil kaum Feinerde nachkommt.
Die Wurzel: Die Feinwurzeln sitzen hier und trocknen im Sommer als Erste aus.