Verkosten in der Region Dão

An einem roten Dão

Verkosten

Halt ein Glas rotem Dão gegen etwas Weißes und kipp es leicht. Die Farbe fällt dunkler aus, als man von einem eleganten Wein erwarten würde. Fast schwarzviolett wirkt ein junger Jahrgang, weil die kleinen Beeren der Touriga Nacional viel Farbstoff abgeben. Der Rand wandert mit den Jahren. Im Keller wird er langsam ziegelrot.

Riech zweimal, einmal ruhig und einmal nach dem Schwenken. Im ruhigen Glas kommt zuerst der Duft nach Veilchen, den kaum eine andere Rotweinsorte so deutlich zeigt, dazu dunkle Beeren wie Brombeere und schwarze Kirsche. Nach dem Schwenken kommen krautige und leicht harzige Noten dazu, manchmal ein Hauch Minze — Aromen, die vorher zu schwer waren, um von selbst aufzusteigen.

Im Mund trennst du am besten zwei Empfindungen. Die Säure meldet sich seitlich an der Zunge und hält den Wein trotz der Dichte frisch, das Tannin spürst du als samtigen, aber festen Griff am Zahnfleisch. Aus dem mageren Granit kommt beides zusammen, straffer als aus fruchtbarerem Boden, aber selten hart.

Danach lohnt sich ein Encruzado zum Vergleich, am besten aus demselben Jahrgang, denn wo der Rote nach Veilchen und Beeren riecht, zeigt der Weiße Zitrusschale und weiße Blüten. Dazu kommt eine salzige, fast steinige Note, die viele als typisch für granitgewachsenen Wein beschreiben. Mit ein paar Jahren im Glas kommt Haselnuss dazu, manchmal auch etwas Rauchiges vom Fass.

Am Ende zähl den Abgang, die Zeit, die der Geschmack nach dem Schlucken bleibt. Bei einem einfachen Dão sind es wenige Sekunden, bei einem gut gemachten Garrafeira deutlich mehr als zwanzig. Diese Länge lässt sich im Keller nicht erzwingen, sie kommt aus reifen, gesunden Trauben. Genau daran unterscheiden sich billiger und teurer Dão am Ende wirklich.

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