Böden in der Region Vinho Verde

Granit & Saibro

Böden

Grab im Vale do Lima ein Loch in einen Weinberg. Nach einer Handbreit dunkler Erde stößt der Spaten auf körnigen, hellen Sand. Zwischen den Fingern zerfällt er zu feinem Splitt. Das ist Saibro, verwitterter Granit, und er liegt unter fast jedem Weinberg der Region.

Der Granit selbst ist über sechshundert Millionen Jahre altes Gestein, tief aus der Erde aufgestiegen, und er verwittert seither langsam: Wasser und Frost sprengen ihn zu einer sandigen, hellen Masse auf, arm an Nährstoffen, aber stark durchlässig, genau das Gegenteil vom schweren Ton, den man aus vielen anderen Weinregionen kennt.

Für die Rebe ist das eine harte Schule. Kaum Nährstoffe, kaum Wasserspeicher, dafür jede Menge Platz zwischen den losen Körnern. Die Wurzel treibt tief, oft mehrere Meter, auf der Suche nach Feuchtigkeit. Der viele Regen im Winter hat sie tief in den Sand gedrückt. Im nassen Klima der Region ist genau diese Durchlässigkeit ein Segen: Staunässe würde die Wurzeln ersticken.

Nicht überall ist die Saibro-Schicht gleich dick. An der feuchten Küste hat der Regen den Granit über Jahrtausende tiefer zersetzt. Dort reicht die Schicht oft zwei Meter und mehr in die Tiefe. Im trockeneren Landesinneren um Monção und Melgaço bleibt der feste Fels näher an der Oberfläche. Die Reben dort haben es schwerer, an Wasser zu kommen, sobald der Sommer wirklich heiß wird.

Ein Irrglaube hält sich hartnäckig: Granit soll dem Wein einen Geschmack nach Stein mitgeben. Was die Wurzel aufnimmt, sind gelöste Mineralsalze - in Mengen, die niemand herausschmecken kann. Der Boden wirkt über einen Umweg: über Wasser, das er hält oder ableitet, und über die Tiefe, in die er die Wurzel zwingt. Bei einem so kargen, durchlässigen Boden wie diesem liegt genau darin der ganze Unterschied. Ein dünner Wein oder ein konzentrierter - das entscheidet sich hier unten.

Grab dich durchSchicht antippen

Dünne dunkle Auflage aus verrottetem Laub und Gras. In den Weinbergen des Lima-Tals selten mehr als eine Handbreit.

Die Wurzel: Hier liegen die Feinwurzeln, die den ersten Regen aufnehmen — in diesem nassen Klima wird diese Schicht kaum je richtig trocken.

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