Böden in der Region Deutschschweiz

Kalk, Mergel, Föhnwärme

Böden

Grab in einem Rebberg bei Fläsch ein Loch, und du triffst schon nach einer Handbreit auf helles, kantiges Gestein. Es ist Kalkschiefer und Mergel, abgetragen vom Rätikon, dem Kalk- und Dolomitmassiv, das die Bündner Herrschaft im Osten wie eine Mauer begrenzt. Der Berg zerkleinerte sein eigenes Gestein. Über Jahrtausende schickte er es ins Tal, bis daraus die Weinberge von Fläsch, Jenins und Malans wurden.

Dieser Schutt speichert kaum Wasser, dafür umso mehr Wärme. Tagsüber heizt ihn die Sonne auf. Nachts gibt er die Wärme langsam wieder an die Wurzeln ab, gemeinsam mit dem Föhn von oben — zwei Heizungen für dieselbe Rebe. Die Wurzeln selbst müssen sich durch das lockere Geröll regelrecht hindurchzwängen, tief hinunter, denn Nährstoffe finden sie oben kaum.

Ganz anders sieht der Boden neunzig Kilometer nördlich aus, am Zürichsee. Dort steht keine Bergwand aus Kalk im Hintergrund. Stattdessen hat eine Gletscherzunge vor zehntausend Jahren Moräne über die Hänge verteilt: braune, teils bis zu vierzig Prozent kalkhaltige Erde, tiefgründig und fruchtbar. Räuschling und Blauburgunder wurzeln hier weniger verzweifelt als im steinigen Süden, dafür liefert der Boden mehr Wasser und mehr Ertrag.

Im Schaffhauser Klettgau wiederum bestimmt Muschelkalk das Bild, echter Meeresboden aus der Zeit, als über der heutigen Hochebene noch ein flaches Trias-Meer stand. Er verwittert zu einem hellen, kalkreichen Lehm. Der hält Wasser besser als der Bündner Schutt und gibt dem Hallauer Blauburgunder seine vergleichsweise weiche, runde Art.

Was in allen drei Böden gleich bleibt, ist der Umweg, über den sie wirken. Kein Wurzelhaar schmeckt Kalkstein und reicht ihn weiter ins Glas, so verlockend dieses Bild auch klingt. Was zählt, ist Wasser, Wärme und Tiefe — und wie sehr eine Rebe sich anstrengen muss, um an all das heranzukommen.

Grab dich durchSchicht antippen

Dunkle, humose Deckschicht aus abgetragenem Kalkschutt und Laub, in der Bündner Herrschaft selten dicker als ein Unterarm.

Die Wurzel: Hier liegen die Feinwurzeln, die den ersten Regen abgreifen — im Hochsommer sind sie die ersten, die vertrocknen.

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