Böden in der Region Waadt

Nagelfluh & Moräne

Böden

Grab in einem Weinberg über Rivaz oder Epesses ein Loch, und schon nach einer Schaufel triffst du auf Stein. Es ist Nagelfluh, im Französischen poudingue genannt: ein Konglomeratgestein aus Kieseln, die einst ein Fluss rundgeschliffen hat, dann von der Molasse zusammengebacken. Dazwischen liegen graue Brocken Moräne, Geröll, das ein Gletscher hier zurückliess, als er sich vor vielen tausend Jahren zurückzog.

Diese Mischung ist kein Zufall, sondern das halbe Alter der Alpen. Die Nagelfluh stammt aus der Zeit vor der Gebirgsbildung, als Flüsse ihr Geröll in einem Vorlandbecken ablagerten. Die Moräne kam Jahrmillionen später obendrauf, als die Gletscher der Eiszeit über dieses Becken schoben. Zwischen den harten Platten sickert Wasser, aber es sammelt sich nicht — die Rebwurzel muss ihm hinterher, tiefer und tiefer. Genau das macht kleine, konzentrierte Beeren.

Im Chablais, eine gute Autostunde östlich, erzählt der Boden eine andere Geschichte, und die beginnt mit einer Katastrophe. Am vierten März 1584 löste sich am Grammont eine Gerölllawine von rund zehn Millionen Kubikmetern. Sie begrub das Dorf Yvorne unter Schutt. Man baute weiter unten neu, auf dem frischen Schuttfächer, den man bis heute Ovaille nennt. Aus dem Unglück wurde fruchtbarer, tiefgründiger Boden — kalkhaltiges Geröll statt hartem Fels, und Weine, die runder wirken als die schlanken Lavaux-Weine von der Nagelfluh.

La Côte kennt solche Dramen nicht. Der Boden dort ist gleichmässiger. Nichts bricht hier ab. Eine breite Decke aus Moräne und verwittertem Molassesandstein bedeckt hier die sanfteren Hänge, und weder die extremen Hangneigungen von Lavaux noch die Wucht eines Bergsturzes kommen vor. Das erlaubt grössere Parzellen und leichtere Maschinenarbeit, aber auch weniger dramatische Unterschiede zwischen Nachbarparzellen.

Wie stark solche Unterschiede wirken, wurde 2004 in einer wissenschaftlichen Untersuchung aller Waadtländer Terroirs vermessen. Dézaley und Calamin schnitten darin so besonders ab, dass die Studie ihren Sonderstatus im Gesetz später mitbegründete. Zwei Reihen desselben Guts, wenige Meter auseinander, können seither auf dem Papier verschiedene Herkünfte tragen. Das ist keine Willkür, sondern weil im Untergrund tatsächlich zwei verschiedene Böden aufeinandertreffen.

Grab dich durchSchicht antippen

Dünne dunkle Auflage aus Laub und verrotteten Wurzeln, in den steilen Terrassen von Lavaux von Hand gepflegt.

Die Wurzel: Feinwurzeln holen hier, was der Regen bringt, und trocknen bei Hitze als Erste aus.

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