Böden in der Region Wallis

Granit und Kalk

Böden

Grab in einem Rebberg bei Sitten oder Siders ein Loch. Nach einer Handbreit Humus kommt loses Geröll, dahinter helles Gestein, randvoll mit Kalk. Was hier liegt, ist die Erbschaft eines Gletschers, der vor fünfzehntausend Jahren bis nach Lyon reichte. Dann wich er langsam zurück und liess dabei alles liegen, was er auf seinem Weg mitgeschliffen hatte.

Im Unterwallis, zwischen Martigny und Saillon, dominiert Granit. Stellenweise ist er von Löss bedeckt, feinem, vom Wind herangewehtem Kalkstaub, und von Kalkadern durchzogen. Weiter oben im Tal, etwa ab Sitten und Siders, wird der Boden so kalkhaltig, dass man von aktivem Kalk spricht, und dieser Typ zieht sich bis weit ins Oberwallis.

Dazwischen liegen meist zwei weitere Böden: Moränen, also von Gletschern abgelagerte Felstrümmer, und dünne Kalk- und Schieferböden aus zusammengepressten Sedimentplatten. Weil das Wallis der trockenste Kanton der Schweiz ist, treibt die Rebwurzel hier tief, oft mehrere Meter, auf der Suche nach Wasser, das im obersten Meter längst verdunstet ist.

Ein dritter Bodentyp sind die Schuttkegel, aufgeschüttet von Nebenflüssen der Rhone über Jahrtausende. Der bekannteste liegt in Chamoson, wo der Bach Losentze grobes, extrem wasserdurchlässiges Geröll ablagerte. Ideal für Reben, die keine nassen Füsse mögen, aber auf ihrem Weg an Nährstoffen sparen müssen.

Der Boden lügt nicht. In Salgesch, dem sonnenreichsten Weindorf der Schweiz, sorgte ein prähistorischer Bergsturz für besonders viel Kalk und Magnesium im Boden. Die Winzer dort nennen ihre Weine deshalb gern mineralisch, obwohl die Rebe kaum Mineralien aus dem Gestein zieht. Was wirklich zählt, ist, wie viel Wasser ein Boden hält und wie viel Wärme seine Steine speichern. Deshalb wächst der Gamay lieber auf Granit, während der Pinot Noir Kalk bevorzugt. Zwei Reben, zwei Böden, im selben Kanton.

Grab dich durchSchicht antippen

Dünne Auflage aus Humus und feinem, vom Wind herangewehtem Kalkstaub. Auf den kargen Terrassen bleibt sie selten mehr als eine Handbreit dick.

Die Wurzel: Hier sitzen die Feinwurzeln. Im trockenen Walliser Sommer sind sie die ersten, die kein Wasser mehr finden.

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