Verkosten in der Region Wallis

Mango, Säure, Salz

Verkosten

Nimm ein Glas Petite Arvine und halte es gegen etwas Helles. Die Farbe ist blass strohgelb, manchmal mit einem Hauch Grün, nie golden, dafür ist die Sorte zu jung im Ausbau und zu kühl gewachsen. Ein goldener Ton würde eher auf Ermitage oder Malvoisie hindeuten, die beiden reiferen Weissweine des Wallis.

Riech zuerst, ohne zu schwenken, dann nach dem Schwenken noch einmal, dazwischen liegt die halbe Information. Im ruhigen Glas kommt zuerst Mango, manchmal Grapefruit, dazu ein Hauch Rhabarber. Nach dem Schwenken öffnet sich mehr: eine leichte Kräuternote, manchmal ein Hauch von Feuerstein. Viele erinnert das an nassen Kalk, obwohl es mit dem Boden selbst nichts zu tun hat.

Im Mund achte auf zwei Dinge, die selten zusammen vorkommen: kräftige Säure, die den Speichel fliessen lässt, und ein salziger Unterton am Gaumen. Kaum eine andere Weissweinsorte der Welt zeigt das so deutlich. Petite Arvine schmeckt fast wie ein Wein mit Blick aufs Meer, obwohl das nächste Meer viele hundert Kilometer entfernt liegt, irgendwo hinter den Gipfeln, die das ganze Tal umstellen.

Wer daneben eine Amigne aus Vétroz probiert, erkennt den Unterschied sofort. Auch sie kann salzig enden, aber ihr Kern liegt bei Lindenblüte und Orangenschale, trockener und stiller als die Frucht der Petite Arvine.

Am Ende zähl mit: Wie lange bleibt der Geschmack, nachdem du geschluckt hast? Bei einer guten Petite Arvine sind es zehn bis fünfzehn Sekunden, bei einem einfachen Fendant oft nur drei oder vier. Diese Länge lässt sich im Keller nicht schönen, weder mit Zucker noch mit Säure. Sie zeigt, was im Weinberg wirklich passiert ist. Das bleibt im Gedächtnis.

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