Gläser in der Region Bierzo

Burgunderform für Mencía

Gläser

Zu einem Mencía passt fast nie das Glas, das im Küchenschrank zufällig vorne steht. Wer beim Weinhändler nach der passenden Form fragt, bekommt fast immer dieselbe Antwort: ein Burgunderglas, bauchig und mit weiter Öffnung, nicht der hohe, engere Bordeaux-Kelch für kräftigere Rotweine. Genau diese Wahl verrät schon etwas über den Charakter der Rebe.

Der Grund liegt im Duft. Mencía bringt Veilchen- und Kirscharomen mit, die zart genug sind, um in einem engen Glas unterzugehen. Der weite Bauch der Burgunderform gibt dem Wein Fläche, damit sich diese Aromen entfalten können. Die enger werdende Öffnung bündelt sie oben gleich wieder. Ein zu enges Glas dagegen lenkt den Wein direkt zur Zungenmitte und stellt vor allem das Tannin aus, ohne die Frucht dagegenzusetzen.

Wie viel Tannin überhaupt zu tragen ist, hängt vom Weinberg ab. Ein alter Corullón-Mencía von den Schieferhängen ist dicht und braucht das große Glas wirklich, um seine Struktur zu zeigen. Ein junger Mencía aus dem Bierzo Bajo dagegen kommt mit einem kleineren, einfacheren Kelch bestens zurecht. Er ist ohnehin leichter gebaut und will vor allem seine Frucht behalten.

Für Godello gilt eine andere Logik. Ein schmaleres Weißweinglas hält den Wein länger kühl und lenkt seine Apfel- und Aprikosenaromen direkt an die Nase, statt sie in einer großen Kelchfläche zu verlieren. Zu warm verliert Godello schnell seine Frische und schmeckt dann eher schwer als fein.

Bei der Temperatur liegt der übliche Fehler im zu warmen Zimmer. Ein junger, unkomplizierter Mencía gehört mit zwölf bis vierzehn Grad ins Glas. Ein gereifter aus alten Corullón-Lagen darf mit sechzehn bis achtzehn Grad wärmer serviert werden, weil sich seine Aromen sonst kaum öffnen. Junge Mencías und lange gelagerte Flaschen profitieren von einer halben Stunde in der Karaffe, ein alter Reserva dagegen verliert dort eher, als er gewinnt.

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