
Von Xera bis Sherry
Region & Geschichte
Am Fuß des Castillo de Doña Blanca, wenige Kilometer vor den Toren von Jerez, liegt eine sehr alte Ausgrabung. Archäologen fanden dort eine rund dreitausend Jahre alte Kelteranlage. Phönizische Händler hatten den Weinbau an die Bucht von Cádiz gebracht und die Gegend Xera genannt. Aus diesem einen Wort wurden später drei Namen für denselben Ort. Spanisch wurde daraus Jerez, französisch Xérès, englisch Sherry.
Die Mauren kamen im achten Jahrhundert und blieben fast fünfhundert Jahre. Sie brachten Bewässerungstechnik und das Wissen um die Destillation mit; auf ihren Karten hieß der Ort Sherish. Erst 1264 eroberte Alfonso X. von Kastilien die Stadt zurück, und weil sie fortan die Grenze zum maurischen Königreich Granada bildete, heißt sie bis heute Jerez de la Frontera — Jerez an der Grenze.
Wie begehrt der Wein in England schon im sechzehnten Jahrhundert war, zeigt ein einziger Überfall. 1587 brannte Francis Drake die spanische Flotte im Hafen von Cádiz nieder und nahm nebenbei fast dreitausend Fässer Sherry mit. Shakespeare ließ seine Figur Falstaff kurz danach über „sherris sack“ schwärmen. Englische und irische Kaufleute siedelten sich in der Bucht an. Thomas Osborne Mann gründete 1772 sein Haus in El Puerto de Santa María, die Familie Terry zwei Jahre später. 1835 kam Manuel María González Ángel dazu und benannte seinen besten Fino nach dem Onkel, der ihm das Handwerk beigebracht hatte — Tío Pepe.
Die Reblaus erreichte den Marco de Jerez im Juni 1894, ein Jahr später auch Sanlúcar und El Puerto de Santa María. Ganze Weinberge starben, gerettet wurden sie nur durch Pfropfung auf amerikanische Unterlagsreben. Mitten in dieser langen Erholung, 1933, bekam die Region die erste Denominación de Origen Spaniens überhaupt. Zuständig ist bis heute derselbe Consejo Regulador, gemeinsam für Jerez-Xérès-Sherry und für Manzanilla-Sanlúcar de Barrameda.
Erstarrt ist das Regelwerk trotzdem nicht. Im August 2026 senkte die Europäische Union den vorgeschriebenen Mindestalkohol für Fino und Pale Cream von fünfzehn auf vierzehn Prozent, fast hundert Jahre nach der Gründung des Consejo Regulador. Die älteste Herkunftsbezeichnung Spaniens schreibt ihre Regeln also immer noch weiter.