Verkosten in der Region La Mancha

An einem Cencibel

Verkosten

Halte ein Glas jungen Cencibel schräg gegen ein weißes Blatt Papier. Am Rand zeigt sich ein sattes Rotviolett, das ins Granatrote wechselt. Es wirkt dunkler und dichter, als man es von Tempranillo aus kühleren Lagen kennt. Die Sonne der Meseta steckt buchstäblich in der Farbe.

In der Nase kommt zuerst reine, unverfälschte Frucht: dunkle Kirsche, manchmal Brombeere, dazu ein Hauch von Kräutern aus der trockenen Umgebung, und genau diesen jungen Ton beschreibt das Regelwerk der Denominación als „francos, afrutados“ — offen und fruchtig, ohne Umwege. Schwenken bringt kaum mehr heraus, weil in der Jugend des Weins noch nichts anderes drinsteckt als Frucht.

Im Mund treffen zwei Kräfte aufeinander. Das Tannin, spürbar als trockener Griff am Zahnfleisch, kommt von der dicken Schale reifer Beeren. Die Säure, die seitlich an der Zunge zieht, verdankt der Wein dagegen den kühlen Wüstennächten der Ebene. Amtlich beschrieben wird ein guter Cencibel als tánico und ausgeglichen zwischen Alkohol und Säure, mit langem, fruchtigem Nachhall. Fehlt die Säure, kippt der Wein schnell ins Plumpe.

Airén schmeckt völlig anders. Man sollte ihn nicht übersehen. Jung ist er grünlich bis hellgelb, in der Nase klar und fruchtig, am Gaumen leicht säuerlich und ausgewogen. Die offizielle Beschreibung nennt ihn wörtlich „ligeramente ácidos“. Serviert eiskalt, ist er in der sommerlichen Hitze La Manchas oft der klügere Wein am Tisch, gerade weil er nicht viel verspricht.

Am Ende zähl mit, wie lange der Geschmack bleibt, nachdem du geschluckt hast. Bei einem soliden Cencibel sind das gut und gerne zehn bis fünfzehn Sekunden, getragen von der Frucht und nicht vom Alkohol. Genau dieses Gleichgewicht aus viel Sonne und kühlen, säureschonenden Nächten unterscheidet einen guten Wein dieser Ebene von einem, der nur schwer und heiß schmeckt.

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