Böden in der Region Navarra

Cascajo & Kalkkruste

Böden

Grab in einem Weinberg bei Olite ein Loch. Nach wenigen Spatenstichen kommt dunkle, steinige Erde, und darunter wird es rund: abgerundete Kalksteine, faustgroß bis kleinfingerdick, dicht an dicht wie in einem alten Flussbett. Das ist kein Zufall. Es war einmal eines.

Über Jahrhunderttausende schoben Ebro, Arga und Aragón Geröll aus den Pyrenäen und dem Iberischen Gebirge talabwärts. Sie lagerten es in Terrassen ab, Stufe für Stufe, während sich die Flüsse immer tiefer eingruben. Übrig blieb cascajo: lockeres, rundes Geröll, durch das Wasser fast ungebremst hindurchläuft. Nährstoffe hält dieser Boden kaum fest.

Genau das zwingt die Rebe in die Tiefe. Sie treibt zwei, drei Meter, manchmal mehr, auf der Suche nach Feuchtigkeit zwischen den Steinen, und diese Anstrengung bremst den Ertrag. Kleinere Beeren mit mehr Schale im Verhältnis zum Saft sind die Folge. In der Schale sitzen Farbe und Tannin, die einem Tempranillo aus der Ribera Baja seine Dichte geben.

Weiter nördlich, in Tierra Estella, erzählt der Boden eine andere Geschichte. Dort liegen die Weinberge auf einem Salzdiapir aus der Trias, gepresstem Gips und buntem Ton, der vor über zweihundert Millionen Jahren aus einem verdunstenden Binnenmeer zurückblieb. Die Böden darüber sind tonig, tief und reich an Gips. Sie liefern Weine mit hoher Säure und einem ausgeprägt mineralischen Charakter, wie es im offiziellen Lastenheft der DOP heißt.

Ganz unten, unter dem Geröll der Ribera, wartet oft noch eine dritte Schicht. Sie heißt costra caliza, eine helle, harte Kalkkruste, verbacken aus demselben Kalk, der die Kiesel überzieht, und hält Wasser wie ein Speicher zurück, den die Wurzeln im trockenen August anzapfen können. Dass der Wein danach schmeckt, wie Prospekte gern behaupten, stimmt so nicht – die Wurzel nimmt keine Steine auf, nur gelöste Mineralstoffe in winzigen Mengen. Was wirklich wirkt, ist der Umweg über Wasser, Wärme und die erzwungene Tiefe der Wurzel.

Grab dich durchSchicht antippen

Dunkle, steinige Auflage mit vereinzelten Kalksteinen, arm an organischem Material. In einem Weinberg bei Olite selten mehr als eine Handbreit.

Die Wurzel: Hier liegen die Feinwurzeln. Sie holen, was der seltene Regen gerade bringt — und sind als Erste trocken.

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