
Für Rosado gebaut
Gläser
Kaum irgendwo entscheidet die Farbe des Weins so sehr über das passende Glas wie hier. Ein Rosado aus Garnacha und ein gereifter Tempranillo können aus demselben Weinberg stammen und brauchen trotzdem völlig unterschiedliche Gefäße.
Für den Rosado gilt: eng, hoch, tulpenförmig. Navarras Rosado gilt nach dem Lastenheft offiziell als trockener Wein, wirkt aber intensiv gefärbt und blumig-fruchtig im Duft – ein Ergebnis des sangrado, das in kurzer Zeit viel Farbe und Aroma aus der Schale zieht, ohne dass dabei der Zuckergehalt steigt. Ein zu weites Glas verpufft genau das. Die enge Öffnung sammelt Kirsche, Erdbeere und die florale Note der Garnacha und trägt sie gebündelt zur Nase.
Beim Tempranillo aus der Ribera Baja braucht es mehr Raum. Ein bauchiger Kelch mit hoher Wand hilft hier. Er gibt dem kräftigen Tannin aus den Cascajo-Böden Platz, sich zu entfalten, bevor der Wein die Zunge erreicht. Zu eng, wirkt er rau.
Bei der Temperatur wird am meisten falsch gemacht, und zwar in beide Richtungen. Ein Rosado gehört mit acht bis zehn Grad fast an die Kühlschrankgrenze, sonst kippt seine Frische ins Laue. Ein junger Tempranillo verträgt zwölf bis vierzehn Grad, ein Reserva mit Fasszeit dagegen sechzehn bis achtzehn – bei Zimmertemperatur schmeckt er sonst nach Alkohol statt nach Frucht.
Ein Gran Reserva mit fünf Jahren Reife braucht zusätzlich Luft. Er trägt oft Bodensatz und ist nach so langer Flaschenzeit verschlossen wie ein zugezogener Vorhang. Eine halbe Stunde in der Karaffe öffnet mehr als jedes Schwenken im Glas. Eingeschenkt wird dabei nie höher als bis zur breitesten Stelle – der Rest bleibt Raum für den Duft, egal welche Farbe im Glas steht.