
Für dichte Rotweine
Gläser
Ein Glas kann einen Wein größer oder kleiner wirken lassen, als er ist, und beim Priorat schlägt dieser Effekt besonders stark durch. Mit mindestens dreizehneinhalb Prozent Alkohol, kräftiger Farbe und viel Tannin braucht dieser Wein Platz. Sonst wirkt er im Mund wie eine Faust statt wie ein Fluss.
Ein enges, hohes Glas presst Alkohol und Tannin nach vorn. Es lässt wenig von der Frucht durch, die unter der Wucht der Llicorella-Reben ohnehin oft zurücksteht. Besser passt ein bauchiges Glas mit weitem Kelch, ähnlich dem für kräftigen Bordeaux, das dem Wein Fläche gibt, an der Alkohol verdunsten kann, bevor er in die Nase steigt. Die Öffnung darf sich dabei ruhig wieder verengen, damit die Aromen nicht sofort entweichen.
Bei der Temperatur liegt der übliche Fehler im zu warmen Servieren. Sechzehn bis achtzehn Grad reichen völlig, kühler als das, was in einem katalanischen Sommerzimmer als Zimmertemperatur gilt. Wärmer als achtzehn Grad drängt der Alkohol nach vorn. Ein Priorat, der ohnehin schon kräftig ist, wirkt dann brennend statt konzentriert.
In den Kellern zwischen Gratallops und Porrera reifen deshalb die meisten jungen Priorats zwölf Monate im Holzfass, bevor sie überhaupt abgefüllt werden dürfen. Genau diese jungen Jahrgänge profitieren fast immer von einer Karaffe. Das Tannin ist dann oft noch kantig. Eine Stunde Luft rundet diese Kanten ab, ohne dass die dunkle Frucht darunter leidet.
Zum Schluss die Menge im Glas: Ein Fingerbreit über der breitesten Stelle reicht, bei einem so konzentrierten Wein sogar eher weniger als bei einem leichten Rotwein. Wer randvoll einschenkt, raubt dem Priorat genau den Raum, den er braucht, um seine dichte Frucht überhaupt freizugeben.