Verkosten in der Region Ribera del Duero

Mora & Lakritz

Verkosten

Halt ein Glas Tinto Fino gegen etwas Weißes, und die Antwort kommt sofort. Dunkel ist er, fast undurchsichtig am Rand, mit einem Schimmer, der bei einem jungen Wein ins Violette geht. Diese Tiefe kommt von den dicken Schalen, die eine Beere unter kargem Boden und großer nächtlicher Kälte entwickelt, und selbst ein zehn Jahre alter Reserva wechselt am Rand nur ins Ziegelrote, ohne in der Mitte viel von seiner Farbe zu verlieren.

In der Nase kommt zuerst dunkle Frucht: Brombeere, reife Pflaume, manchmal ein Hauch schwarze Johannisbeere. Danach folgt, wenn Zeit im Fass dazukam, ein zweiter Ton aus Vanille, geröstetem Brot und bei amerikanischer Eiche oft auch Kokos. Ein Faden Lakritz taucht bei vielen älteren Reserva-Weinen auf, dezent, fast im Hintergrund. Aber sobald man einmal darauf geachtet hat, findet man ihn wieder.

Im Mund lohnt es, zwei Dinge getrennt zu beachten. Die Säure sitzt seitlich an der Zunge, gehalten durch die kühlen Nächte während der Reife. Trotz seiner Dichte macht das den Wein nicht schwer. Das Tannin liegt als trockenes Gefühl über dem ganzen Gaumen, kräftiger als bei den meisten anderen spanischen Rotweinen. Kleine Beeren bringen eben immer mehr Schale im Verhältnis zum Saft mit.

Am Ende zähl mit, wie lange der Geschmack bleibt, nachdem du geschluckt hast. Bei einem einfachen Roble sind das ein paar Sekunden. Bei einem gereiften Reserva aus einem guten Jahrgang, etwa aus Pesquera, zählt man oft über zwanzig, manchmal dreißig. Diese Länge lässt sich im Keller nicht schummeln, weder mit Zucker noch mit neuem Holz.

Wer schon einmal Rioja getrunken hat und jetzt zum ersten Mal einen Tinto Fino aus der Ribera probiert, schmeckt denselben Rebtyp von einer anderen Seite. Dunkler ist er, dichter, weniger von Vanille geprägt und mit mehr Druck am Gaumen. Der Unterschied liegt nicht in der Sorte. Er liegt am Duero, an seiner Höhe und an seinen kalten Nächten.

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