
Kalk, Eisenton, Ebro-Kies
Böden
Grab in einem Weinberg der Rioja Alta ein Loch. Du triffst zuerst auf ockerfarbene Erde, dann auf etwas Hartes. Eine waagrechte Bank aus Kalkstein-Sandstein liegt darunter, dünn wie eine Fußbodenplatte. Darunter kommt wieder Erde, dann wieder Stein. Dieser Wechsel aus weicher Erde und harten Bändern zieht sich oft meterweit in die Tiefe. Genau er macht den calcáreo-arcilloso, den Ton-Kalk-Boden, zum bekanntesten der drei Böden entlang des Ebro.
Nährstoffe findet die Wurzel darin kaum. Der Boden ist arm, dafür reich an Kalzium, und beides zusammen zwingt die Rebe zu wenig Ertrag und kleinen Beeren. In einer kleinen Beere steckt im Verhältnis mehr Schale als Saft, und in der Schale sitzen Farbe, Tannin und der größte Teil der Aromastoffe — wer diesen Boden bewirtschaftet, erntet deshalb weniger, aber konzentrierter.
Der zweite Boden liegt vor allem in der Rioja Alta und der Rioja Oriental. Er sieht völlig anders aus: granatrot, fast ohne Steine, arcillo-ferroso genannt nach dem Eisen, das ihm die Farbe gibt. Er ist dichter gepackt, hält mehr Wasser als der Kalkboden und liefert deshalb frischere, ausgeglichenere Weine mit weniger Konzentration, aber verlässlicher Säure.
Am Ebro selbst und entlang seiner Nebenflüsse liegt schließlich ein dritter, jüngerer Boden: sandig, kiesig, flach, vom Fluss über Jahrtausende angeschwemmt. Wasser läuft hier so leicht durch, dass die Reben kaum je nasse Füße bekommen. Praktisch ist das bei Regen, riskant dagegen ohne Bewässerung in trockenen Sommern.
Ein Missverständnis hält sich hartnäckig: Ein Wein schmecke „mineralisch“, weil die Rebe Mineralien aus dem Gestein aufnehme und im Glas weitergebe. Das stimmt so nicht. Was über die Wurzel hereinkommt, sind gelöste Ionen in Mengen, die kein Gaumen der Welt einzeln herausschmecken könnte. Der Boden wirkt auf einem Umweg — über Wasser, Wärme und die Tiefe, in die er die Wurzel zwingt.
Drei Böden auf engem Raum bedeuten drei verschiedene Weine aus derselben Rebe, oft nur wenige Kilometer voneinander entfernt. Deshalb mischen viele Bodegas seit jeher Trauben aus mehreren Lagen. Der Grund ist nicht mangelnder Charakter, sondern die Absicht, genau diese Vielfalt in eine Flasche zu holen.
Dünne ockerfarbene Auflage, arm an organischem Material. In einem Weinberg der Rioja Alta selten mehr als eine Handbreit.
Die Wurzel: Hier sitzen die Feinwurzeln. Sie holen, was der Regen gerade bringt — und sind als Erste trocken.