
Granit, Schiefer, Koffieklip
Böden
Grab am Paardeberg ein Loch in einen Weinberg, und du landest in Sand, keinem Stein. Der Berg ist ein erkalteter Granitpluton, über fünfhundert Millionen Jahre alt. Seine Kuppe verwittert seit Jahrmillionen zu einer tiefen, sandig-lehmigen Erde. Anders als dünner Schiefer lässt dieser Boden die Wurzel meterweit ungehindert nach unten wachsen. Sie muss sich nicht zwischen harten Platten hindurchzwängen.
Rund um Riebeek-Kasteel, Kasteelberg und Malmesbury liegt dagegen ein anderes Gestein unter den Reben: die Malmesbury-Gruppe, gefalteter Schiefer und Phyllit. Dieses Gestein stammt aus einer Zeit, als hier noch ein Meeresboden lag, lange vor dem Granit des Paardeberg. Dieser Schiefer bricht in schmalen, harten Platten, hält weniger Wasser als der Granitsand und zwingt die Wurzel, sich ihren Weg regelrecht zu erkämpfen.
Eine dritte Schicht gibt dem Swartland seinen vielleicht bekanntesten Boden: Koffieklip, wörtlich Kaffeestein. Das ist verhärtetes, eisenreiches Gestein. Es entstand dort, wo Regenwasser über Jahrtausende Eisen aus dem verwitterten Granit auswusch und es tiefer im Profil zu einer harten, rotbraunen Bank verbackte. Wurzeln, die diese Schicht erreichen, finden darunter noch Feuchtigkeit, selbst wenn der Sand darüber im Februar staubtrocken ist.
Wie stark diese drei Böden tatsächlich schmecken, zeigt niemand konsequenter als Chris und Andrea Mullineux aus Riebeek-Kasteel. Sie keltern denselben Chenin Blanc und denselben Syrah getrennt auf Granit, Schiefer und Koffieklip, mit identischer Hefe und identischem Fassregime, damit jeder Unterschied im Glas allein vom Boden kommt und von nichts sonst. Der Granit-Chenin wirkt straff und salzig, der Schiefer-Chenin breiter und würziger.
Ein Irrtum hält sich auch hier hartnäckig: dass die Rebe Mineralien aus dem Gestein zieht und sie schmeckbar weiterreicht. Das stimmt nicht. Was Granit, Schiefer und Koffieklip wirklich verändern, ist Wasserhaushalt und Wärme. Dieser Umweg über Wasser und Wärme reicht schon, um aus derselben Rebe an einem einzigen Hügel drei verschiedene Weine zu machen.
Dünne dunkle Auflage aus Gras- und Buschresten der Renosterveld-Vegetation. Am Paardeberg selten mehr als eine Handbreit.
Die Wurzel: Hier liegen die Feinwurzeln der Buschrebe. Sie holen, was der Winterregen bringt — und trocknen im Sommer als Erste aus.