
Weizenland wird Weinland
Region & Geschichte
Weizen kam vor Wein. Ende des siebzehnten Jahrhunderts siedelten niederländische Bauern in der Ebene nördlich der Kapkolonie, weil Weizen und Schafe sich hier leichter rechneten als Reben. Jan van Riebeeck gab der Gegend ihren Namen: Het Zwarte Land, das schwarze Land, nach dem Renosterbos, einem zähen Strauch, der nach Regen aus der Ferne dunkel wirkt, fast wie verbrannt. Bis heute liefert das Swartland rund ein Fünftel des südafrikanischen Weizens, Reben blieben lange Nebensache.
Für den größten Teil des zwanzigsten Jahrhunderts änderte sich daran wenig. Trauben aus dem Swartland gingen an Genossenschaften und an die KWV, den staatlich gestützten Branchenriesen. Dort wurde daraus Fassware und Brandy-Grundwein, namenlos in Tanklastern verschifft. Wer hier pflanzte, pflanzte auf Menge, und die alten, unbewässerten Buschreben aus den Dreißiger- und Vierzigerjahren blieben stehen, weil niemand sie ausriss.
Das kippte erst in den späten Neunzigerjahren. Charles Back von Fairview begann in den Hügeln um den Paardeberg nach altem Rebmaterial zu suchen. Kurz danach zog Eben Sadie ins Swartland, überzeugt, dass diese vergessenen Buschreben mehr könnten als Fassware. 1999 gründete er die Sadie Family Wines. Sein erster Columella-Jahrgang erschien 2000, kaum fünftausend Flaschen, der weiße Palladius folgte zwei Jahre später. 2010 gründete Sadie zusammen mit Adi Badenhorst, Chris und Andrea Mullineux sowie Callie Louw von Porseleinberg die Swartland Independent Producers. Daraus wuchs die Swartland Revolution, ein Festival, das bis 2015 sechsmal stattfand.
Was die Gruppe verband, war eine Haltung, keine Formel: hundert Prozent eigene Trauben, spontane Gärung, kein Wasserzusatz, kaum neues Holz. Schwefel blieb erlaubt, aber nur in Maßen. Radikal war das in einem Land, dessen Weinrecht — Wine of Origin, seit 1973 vom Wine and Spirit Board getragen — bis heute vor allem die Herkunft regelt, nicht die Kellerarbeit. Steht ein Herkunftsname auf dem Etikett, müssen hundert Prozent der Trauben tatsächlich von dort stammen.
Das Swartland zählt heute als eigener Distrikt der Coastal Region, mit Wards wie Paardeberg, Riebeeksrivier und Porseleinberg darunter. Aus Weizenland wurde so, in kaum zwanzig Jahren, eine der meistdiskutierten Weinadressen der Neuen Welt.