
Garrigue, Wärme, Salz
Verkosten
Halte einen Swartland-Syrah gegen das Licht. Die Farbe verrät sofort die Sonne, aus der er kommt: tiefes, fast undurchsichtiges Violett bei jungen Jahrgängen, das mit zehn Jahren ins Granatrote wandert. Ein blasser Swartland-Rotwein ist selten — dafür sorgen schon die kleinen, dickschaligen Beeren der unbewässerten Buschreben.
In der Nase kommt zuerst dunkle Frucht: Brombeere, eingekochte Pflaume, oft ein Hauch weißer Pfeffer von der Syrah-Traube. Schwenkt man das Glas, folgt eine zweite Schicht, die viele überrascht: trockenes Buschwerk, Rosmarin. Manchmal kommt ein rauchiger Ton dazu, der an die Renosterbos-Landschaft rund um die Weinberge erinnert.
Im Mund dominiert zunächst die Wärme. Über dreizehneinhalb Prozent Alkohol sind im Swartland eher die Regel als die Ausnahme, spürbar als sanfte Hitze im hinteren Gaumen. Tannin ist reichlich vorhanden, aber durch die Trockenheit der Buschreben meist reif und rund statt kantig. Der Wein wirkt deshalb trotz seiner Kraft nie hart.
Bei altem Bosstok-Chenin läuft die Verkostung anders. Die Farbe geht ins Goldgelbe, der Duft erinnert an Quitte, Honig und manchmal an nasse Kreide. Im Mund trägt eine spürbare, fast salzige Mineralität den Wein, die viele mit dem Koffieklip-Boden in Verbindung bringen, auf dem manche dieser Reben wachsen.
Am Ende zählt wieder die Länge. Ein guter Columella oder Palladius hält den Geschmack zwanzig Sekunden und mehr, während einfache Genossenschaftsweine aus derselben Gegend oft schon nach fünf Sekunden verklingen. Das ist der Unterschied zwischen einem Wein von der alten Buschrebe und einem von der jungen Ertragsanlage.