Verkosten in der Region Walker Bay

An einem Pinot

Verkosten

Halte ein Glas Pinot Noir aus dem Hemel-en-Aarde-Tal schräg gegen etwas Weißes. Schau genau hin. Die Farbe überrascht fast jeden zum ersten Mal: hell, fast durchscheinend, kirschrot mit einem violetten Schimmer am Rand, wenn der Wein noch jung ist, denn diese Sorte baut nur wenig Farbstoff in ihre Schale ein, und das ist kein Mangel, sondern ihr Wesen.

Riech zweimal: einmal im ruhigen Glas, einmal nach dem Schwenken. Im ruhigen Glas kommt zuerst rote Frucht nach oben, Sauerkirsche, Preiselbeere und ein Hauch Granatapfel. Diese leichten Duftmoleküle verdunsten am schnellsten. Nach dem Schwenken folgt, was schwerer ist und länger braucht: ein erdiger, fast moosiger Ton. Manchmal kommt noch ein Hauch Rauch vom Fassholz dazu, in dem der Wein reifte.

Im Mund achte auf zwei Dinge getrennt. Genau hinschmecken lohnt sich. Die Säure spürst du seitlich an der Zunge, scharf und geradlinig, ein direktes Erbe der kühlen Nächte am Benguelastrom, die den Trauben ihre Frische bewahren. Das Tannin dagegen, der raue Belag am Zahnfleisch, bleibt bei dieser Sorte fein und fast zurückhaltend, ganz anders als bei einem Cabernet Sauvignon aus wärmeren Lagen.

Dazu kommt oft ein salziger Unterton, den Winzer der Nähe zum Atlantik zuschreiben, nur wenige Kilometer entfernt. Bewiesen ist das nicht. Weggeschmeckt hat ihn trotzdem kaum jemand, der einmal genau hingehört hat.

Am Ende zähl mit: Wie lange bleibt der Geschmack, nachdem du geschluckt hast? Bei einem guten Hemel-en-Aarde-Pinot sind das oft zwölf bis fünfzehn Sekunden, getragen von genau jener Säure, die ihn am Anfang so lebendig gemacht hat, und diese Länge lässt sich im Keller nicht nachträglich einbauen: Sie kommt entweder aus dem kühlen Tal oder gar nicht.

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