Region & Geschichte in der Region Balaton

Probus bis Wende

Region & Geschichte

Ein Kaiser soll den Anfang gemacht haben. Der Überlieferung nach hob Probus – römischer Kaiser von 276 bis 282 und selbst aus der Donauprovinz Pannonien – ein jahrhundertealtes Verbot auf, das seinen Untertanen dort das Anpflanzen von Reben untersagte. Anschließend ließ er seine Soldaten Weinberge am Badacsony anlegen. Belegt ist die Geschichte nicht, nur seit langem erzählt. Gesichert ist dagegen, dass Mönche im elften Jahrhundert königliche und klösterliche Weinberge rund um den See bewirtschafteten und der Weinbau über die Jahrhunderte immer weiterwuchs.

Im achtzehnten Jahrhundert galt badacsonyer Wein als der beste im ganzen Königreich Ungarn. Seinen Namen verdankt dabei der Szürkebarát, der graue Mönch, den Pálos-Mönchen, die 1263 ein Kloster am Badacsony gründeten. Deren Kutten waren anfangs grau, bevor der Orden 1341 auf Weiß wechselte. Die Farbe blieb trotzdem am Namen der Rebsorte hängen.

Die Reblaus erreichte die Region Ende des neunzehnten Jahrhunderts und vernichtete die alten Weinberge fast vollständig. Beim Wiederaufbau schrieb das ungarische Weingesetz von 1893 vor, welche Sorten neu gepflanzt werden durften, und empfahl fast nur weiße Sorten. Rotwein blieb an den Hängen seitdem die Ausnahme.

Eine einzige Sorte erzählt diese Geschichte am eindrücklichsten. Kéknyelű, die Blaustielige, hat nur weibliche Blüten und trägt ohne einen Bestäuber wie Budai zöld in der Nachbarreihe fast keine Trauben. Nach einer Frostkatastrophe in den Achtzigerjahren wurde sie fast aufgegeben und 1993 sogar in der letzten Versuchsanlage gerodet. Aus 0,3 Hektar bei Nemesgulács stammten die Stecklinge, mit denen Winzer wie Szeremley Huba nach der Wende neu begannen. Heute wächst die Fläche wieder, auf rund fünfzig Hektar.

Sechs eigene Anbaugebiete liegen heute rund um den See, darunter Badacsony, und über ihnen allen steht der Name Balaton als geschützte geografische Angabe. Badacsony bekam seine heute geltende Produktspezifikation erst 2012, doch die Regeln reichen bis ins Weingesetz von 1893 zurück. Der See gibt allen Anbaugebieten seinen Namen.

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