Verkosten in der Region Balaton

An einem Olaszrizling

Verkosten

Im Glas zeigt ein Olaszrizling vom Balaton meist ein blasses, leicht grünliches Strohgelb, selten mehr. Die Trauben werden früh gelesen, um die Säure zu retten — je dunkler das Gelb, desto reifer und wärmer war meist der Jahrgang.

Riech zuerst vorsichtig, ohne zu schwenken. Ein typischer Balatonfüred-Csopaki Olaszrizling zeigt dabei einen Hauch von Reseda, dazu oft eine feine, leicht bittere Mandelnote. Viele nehmen sie erst nach dem zweiten oder dritten Glas bewusst wahr — sie sitzt eher hinten am Gaumen als vorne in der Nase.

Im Mund kommt zuerst die Säure, scharf und geradlinig. Dann folgt fast immer ein salziger Nachgeschmack. Dieses Salz stammt weder von echtem Salz noch von der Nähe zum Meer, das es hier gar nicht gibt. Es stammt vielmehr von den Mineralien, die der Basalt und der rote Sandstein an den See abgeben.

Kéknyelű verhält sich völlig anders. Schon die Farbe ist kräftiger, fast gold, und im Mund fühlt sich der Wein dichter an als jeder Olaszrizling. Manche Verkoster beschreiben einen leicht adstringierenden Griff, das raue Gefühl am Zahnfleisch, das man sonst nur von Rotwein kennt und das bei Weißwein eine Seltenheit ist.

Am Ende zählt die Länge. Wie lange bleibt der salzige, mandelige Nachgeschmack, nachdem der Wein geschluckt ist? Bei einem einfachen Tafelwein sind es zwei, drei Sekunden, bei einem sortenreinen Kéknyelű aus altem Rebstock oft zwanzig. Genau diese Länge unterscheidet einen Alltagswein rund um den See von einem, für den sich die Mühe mit dem Basalthang gelohnt hat.

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