
Schwarz, dicht, lang
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Halte ein Glas Tannat aus Canelones vor etwas Weißes und kipp es leicht. Fast kein Licht kommt durch die Mitte. Das ist ungewöhnlich dunkel selbst für einen Rotwein, fast schwarz mit einem violetten Rand, der erst nach etlichen Jahren ins Ziegelrote wechselt.
Riech zuerst, ohne zu schwenken. Was zuerst aufsteigt, sind meist dunkle Beeren: Brombeere, schwarze Johannisbeere, manchmal reife Pflaume. Schwenk dann kräftig, und eine zweite Ebene kommt hoch – schwarzer Pfeffer, getrocknetes Kraut, bei älteren Jahrgängen ein Hauch Tabak oder dunkle Schokolade.
Im Mund trifft dich zuerst die Säure, seitlich an der Zunge, frisch trotz der Kraft des Weins. Das ist ein Erbe des feuchten, wolkenreichen Klimas in Canelones, das die Trauben nie zu heiß reifen lässt. Dahinter kommt das Tannin: ein trockenes, griffiges Gefühl auf Zahnfleisch und Gaumen, oft stärker als bei jedem Cabernet.
Genau dieses Tannin ist der Prüfstein. Bei einem gut gemachten Canelones-Tannat wirkt es fest, aber nicht bitter, getragen von genug Frucht und Säure, damit nichts davon aus dem Gleichgewicht kippt. Fehlt diese Balance, bleibt nur eine austrocknende Wand im Mund zurück, und daran erkennt man die einfachen Weine sofort.
Am Ende zähl die Sekunden. Ein mittelmäßiger Tannat verklingt nach fünf, sechs Sekunden. Ein großer aus einer der alten Bodegas in Juanicó oder Las Piedras trägt den Geschmack zwanzig Sekunden und länger, mit einer langsam verblassenden Pfeffernote, die zuletzt übrig bleibt.