
Ballonglas, Tulpe
Gläser
Stell ein Glas Tannat neben ein Glas Albariño, und du brauchst für beide fast das Gegenteil an Form. Der eine Wein ist so tanninreich, dass er Luft und Platz verlangt. Der andere lebt von Frische, die man einsperren muss, sonst ist sie nach zwei Minuten weg.
Für Tannat braucht es ein großes, bauchiges Glas, ähnlich dem Ballonglas für Bordeaux oder Barolo. Die breite Fläche am Boden holt Sauerstoff an den Wein und macht die Gerbstoffe runder, bevor sie die Zunge erreichen. Läuft die Öffnung darüber eng zusammen, sammelt sich der Duft nach dunkler Frucht und Kräutern, statt sofort zu verfliegen.
Bei der Temperatur reichen sechzehn bis achtzehn Grad. Was viele überrascht: Ein junger Tannat verträgt oft schon vor dem ersten Schluck eine halbe Stunde im Dekanter, weil seine Tanninmenge so hoch ist wie bei kaum einer anderen Rebsorte weltweit. Bei den meisten jungen Rotweinen wäre das übertrieben, bei Tannat aus Maldonado macht es einen spürbaren Unterschied.
Albariño will das Gegenteil. Ein schmaler, hoch aufragender Weißweinkelch mit enger Öffnung bündelt die Aromen von Pfirsich, Zitrus und Jasmin, die salzige Note bleibt dabei erhalten statt sich im weiten Glas zu verlieren. Acht bis zehn Grad sind richtig, kälter macht den Wein nur stumm.
Zuletzt die Füllmenge, für beide Weine gleich: Das Glas wird höchstens bis zur breitesten Stelle gefüllt, nie weiter. Darüber bleibt Raum, in dem sich der Duft erst sammelt. Ohne diesen Raum riecht selbst der beste Balasto nach nichts Besonderem.