Verkosten in der Region Napa Valley

Cassis, Vanille, Tannin

Verkosten

Halt das Glas gegen eine helle Fläche. Ein guter Cabernet aus dem Napa Valley lässt kaum Licht durch, die Farbe reicht von dunklem Rubin bis fast Schwarz, und schon daran erkennt man dickschalige Trauben, die in praller kalifornischer Sonne gereift sind. Junge Jahrgänge zeigen einen violetten Schimmer am Rand. Mit den Jahren wandert dieser Schimmer langsam ins Ziegelrote.

In der Nase dominiert vor allem schwarze Johannisbeere. Kenner nennen das Cassis, dazu kommen Zedernholz und eine süße Vanillenote, die vom Barrique stammt, oft ergänzt durch einen Hauch Eukalyptus aus den wilden Bäumen auf den Hügeln über dem Tal. Diesen Duft tragen vor allem Lagen am Fuß der Vaca Mountains.

Am Gaumen kommt zuerst die Frucht. Danach folgt ein fester Griff aus Tannin, der junge Weine oft noch kantig wirken lässt, während der Alkoholgehalt häufig über vierzehn Prozent liegt und als warmes Gefühl im Rachen spürbar wird. Genau diese Kombination überraschte 1976 die Juroren beim Judgment of Paris. Sie hatten europäische Zurückhaltung erwartet und bekamen amerikanische Fülle serviert.

Serviert wird er am besten kühler als Zimmertemperatur. Um die sechzehn bis achtzehn Grad wirkt der Alkohol nicht schärfer als die Frucht. Zehn Minuten im Glas helfen dabei zusätzlich. Dann fügen sich Tannin und Frucht langsam zusammen, und der Abgang zieht sich oft über eine Minute hin, ein verlässliches Zeichen für einen Wein mit Zukunft.

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