
Jory & Willakenzie
Böden
Grab in den Dundee Hills ein Loch. Nach wenigen Spatenstichen stößt du auf eine Farbe, die eher nach Ziegelstein aussieht als nach gewöhnlicher Ackererde, und genau das ist Jory, seit 2011 offiziell Oregons Staatsboden, benannt nach einem Hügel im Nachbarort. Er bedeckt mehr als 300.000 Acres, umgerechnet über 120.000 Hektar, auf beiden Seiten des Willamette Valley. Das ist viel.
Seine Geschichte beginnt mit Lava statt mit Meer. Vor rund fünfzehn Millionen Jahren wälzten sich gewaltige Basaltströme aus dem heutigen Idaho bis in die Gegend um Portland, und was davon liegen blieb, verwitterte über Jahrmillionen zu tiefroter, eisenreicher Tonerde. Genau dieses Eisen gibt dem Jory, zusammen mit etwas Magnesium, seine auffällige Farbe.
Für die Rebe ist Jory eine Übungsstrecke. Nichts kommt hier leicht. Der Ton hält Wasser gut fest, verhindert aber trotzdem Staunässe, weil die Schichten darunter aus geborstenem, altem Basaltgestein bestehen und Wurzeln darin immer neue Risse finden. Weine von Jory-Böden schmecken deshalb oft nach roter Frucht – Kirsche, Pflaume, roter Johannisbeersaft – mit einer erdigen, fast würzigen Tiefe darunter.
Nur wenige Kilometer westlich endet die Lava und beginnt das Meer. Der Wechsel kommt abrupt. In den Hügeln von Yamhill-Carlton und Ribbon Ridge liegt Willakenzie, ein feinkörniger Sandstein und Schluffstein, der vor rund fünfzig Millionen Jahren Meeresboden war und durch die Bewegung der Erdplatten nach oben gedrückt wurde. Er hält weniger Wasser als Jory. Das zwingt die Reben zu geringerem Wuchs, was in dünneren, konzentrierteren Beerenschalen endet.
Wer beide Weine nebeneinander verkostet, schmeckt den Unterschied ohne viel Übung. Jory ergibt rundere, hellere, kirschbetonte Pinot Noirs, Willakenzie dunklere, straffere mit einem Hauch von Salzigkeit, den manche Winzer auf die maritime Herkunft des Gesteins zurückführen. Beide Böden liegen oft nur einen Hügel auseinander, und genau diese Nähe macht das Willamette Valley zu einem der abwechslungsreichsten Flecken Pinot-Noir-Land der Welt.
Dünne dunkle Auflage aus verrottetem Laub und Gras. In den Dundee Hills selten mehr als eine Handbreit tief.
Die Wurzel: Hier liegen die Feinwurzeln. Sie holen, was der Pazifikregen gerade bringt – und trocknen im Sommer als Erste aus.