
Goldridge & Kies
Böden
Grab im Russian River Valley ein Loch, und du landest nicht im Fels, sondern in feinem, hellem Sand. Das ist Goldridge-Boden, ein sandiger Lehm aus zwei sehr alten Ereignissen: Vulkanische Asche fiel vor Jahrmillionen bei einem Ausbruch über das Land. Sandstein bildete sich aus altem Meeresboden, als die pazifische und die nordamerikanische Platte aufeinanderprallten. Die Zeit hat beides zu einer lockeren, gut durchlässigen Schicht verwittert. Für die Rebe ist das ein Geschenk.
Wasser läuft hier schnell ab, und genau das will Pinot Noir. Eine Rebe, die nie im Nassen steht, konzentriert sich auf kleine, dickschalige Beeren statt auf pralles Wachstum, und in der Schale sitzen Farbe, Gerbstoff und ein Großteil des Aromas. Deshalb schmecken Weine von Goldridge-Boden oft heller und duftiger als vergleichbare aus schwererem Lehm. Wurzeln arbeiten sich trotzdem tief hinunter, denn der Regen fehlt im Sommer über Monate.
Eine Autostunde weiter nordöstlich, im Alexander Valley, sieht der Boden völlig anders aus. Dort hat sich der Russian River über Jahrtausende immer wieder verlagert und dabei dicke Schichten Flusskies unter die obere Ackerkrume gepackt. Diese Struktur ähnelt den Kiesböden im Bordelais erstaunlich. Auf den warmen Bänken über dem Fluss, mit Südwestlage und viel Sonne, reift dort Cabernet Sauvignon zu dichten, kräftigen Weinen. Eine Flussgeschichte, zwei völlig verschiedene Weine.
Ein Missverständnis hält sich hartnäckig, auch hier: Manche Trinker behaupten, sie schmeckten den Sandstein oder den Kies direkt im Wein heraus, weil die Wurzel angeblich Mineralien aufnimmt und weiterreicht. Das stimmt nicht. Was über die Wurzel hereinkommt, sind gelöste Ionen in Mengen, die kein Gaumen der Welt einzeln erschmecken kann. Der Boden wirkt über einen Umweg — über Wasser, über Wärme und darüber, wie tief er die Wurzel zwingt.
Dünne dunkle Auflage aus verrottetem Laub. In einem Weinberg mit trockenen Sommern selten mehr als eine Handbreit.
Die Wurzel: Feinwurzeln holen hier, was der kurze Winterregen bringt — und sind im Sommer als Erste trocken.