
Form folgt Sorte
Gläser
An einem einzigen Nachmittag wechselt eine Sonoma-Probe oft viermal das Glas, und das hat einen Grund. Kein anderer Landkreis Kaliforniens deckt eine solche Bandbreite an Stilen ab. Ein Glas für Pinot Noir taugt nicht für Zinfandel, und was Cabernet Sauvignon braucht, schadet einem kühlen Chardonnay eher. Die Form muss der Sorte folgen, nicht umgekehrt.
Für den kühlen Pinot Noir aus dem Russian River Valley braucht es ein großes, bauchiges Glas mit engem Rand. Die weite Fläche lässt die zarten Aromen nach roter Kirsche und Walderde atmen, bevor sie sich am schmalen Rand zu einem konzentrierten Strahl bündeln. Ein zu enges Glas erstickt diesen Wein fast, ein zu großes verdünnt ihn optisch. Genau in der Mitte liegt das richtige Maß.
Zinfandel aus dem Dry Creek Valley verlangt etwas anderes. Er kommt oft mit vierzehn oder mehr Prozent Alkohol und viel Frucht nach Brombeere und schwarzem Pfeffer, deshalb braucht er ein noch größeres, rundes Glas. Ein großes Volumen lässt den Alkohol verfliegen, statt in der Nase zu brennen, und gibt der Frucht Raum, sich zu entfalten. Serviert man ihn zu kalt, verschließt sich genau diese Frucht. Etwas unter Zimmertemperatur reicht völlig.
Cabernet Sauvignon aus dem Alexander Valley kommt mit festen Gerbstoffen und dichter schwarzer Frucht, deshalb passt hierher das hohe, schmale Bordeaux-Glas mit seiner steilen Öffnung. Es lenkt den Wein direkt zur Zungenspitze, wo die Süße zuerst ankommt und die Tannine erst später und weicher wirken. Ein normales Alltagsglas macht denselben Wein oft bitterer, als er wirklich ist. Form entscheidet über den ersten Eindruck.