
Löss, Flut, Basalt
Böden
Grab irgendwo in der Columbia Valley ein Loch. Du triffst zuerst auf feinen, hellen Staub: Löss, von jahrtausendelangem Wind aus dem Flussbett herangeweht. Er ist so fein wie Puderzucker und hält kaum Wasser, dafür lässt er Wurzeln mühelos hindurch. Genau diese Kombination macht ihn zum idealen Untergrund für Bewässerung nach Maß, denn der Winzer und nicht der Regen bestimmt, wie viel Wasser eine Rebe bekommt.
Darunter liegt eine ganz andere Geschichte. Am Ende der letzten Eiszeit, vor rund fünfzehn- bis achttausend Jahren, brach ein gewaltiger Eisdamm in Montana immer wieder. Jedes Mal schoss dann ein See von gewaltiger Größe als Sturzflut durch den Osten Washingtons. Man nennt diese Ereignisse die Missoula-Fluten. Sie hinterließen Schichten aus Sand, Schluff und Kies, die heute meterdick unter dem Löss liegen. Dort speichern sie Wasser wie ein Schwamm, tief unten, wo die Hitze des Sommers nicht hinreicht.
Den Grund von alldem bildet Basalt, dunkles Vulkangestein aus Rissen in der Erdkruste. Vor Millionen Jahren quoll es hervor und legte sich in dicken Lagen über weite Teile des Nordwestens. Wurzeln erreichen ihn selten. Trifft eine Rebe doch einmal auf blanken Fels, endet dort ihr Wachstum abrupt. Winzer wissen genau, an welchen Stellen im Weinberg das passiert, weil die Reben dort spürbar kleiner bleiben.
Jede Schicht hier hat ihre eigene Aufgabe. Der Löss oben lässt die Rebe dürsten, die Flutablagerung darunter hält einen Notvorrat bereit, und der Basalt ganz unten setzt eine harte Grenze, die keine Wurzel überwindet. Unter diesem Stress bildet die Rebe kleinere Beeren mit dickerer Schale, und in der Schale sitzen Farbe und Tannin, der pelzige Stoff, den man nach einem Schluck Rotwein am Zahnfleisch spürt. Deshalb schmecken viele Weine aus der Columbia Valley so dicht, obwohl der Boden selbst karg und unscheinbar wirkt.
Feiner, windverwehter Schluff aus den Ablagerungen der Missoula-Fluten, locker wie Puderzucker und mit sehr geringer Wasserspeicherung.
Die Wurzel: Wurzeln kommen hier mühelos durch, finden aber kaum Wasser und werden schnell nach unten gezwungen.