
Bordeauxglas für Cabernet
Gläser
Bevor man einen Wein überhaupt schmeckt, hat das Glas längst mitentschieden. Bei Washingtons Paradesorte Cabernet Sauvignon aus Red Mountain oder der Walla Walla Valley zeigt sich das besonders deutlich. Diese Weine bringen viel Tannin und kräftige Frucht mit, gereift auf heißen, steinigen Hängen. Ein zu enges Glas presst beides eng zusammen. Der Wein wirkt dann hart.
Ein großes, bauchiges Bordeauxglas löst dieses Problem. Die weite Öffnung öffnet den Wein. Sie bringt viel Wein mit Luft in Kontakt, wodurch sich das Tannin in den Minuten nach dem Einschenken spürbar abrundet, während der hohe, sich verjüngende Kelch zugleich den Duft nach schwarzer Johannisbeere und Zeder direkt zur Nase lenkt, statt ihn im Glas zu verlieren. Bei einem jungen, noch etwas kantigen Cabernet aus Red Mountain macht dieser Unterschied den Wein regelrecht um Jahre reifer.
Rieslinge aus der Columbia Valley brauchen das genaue Gegenteil. Tannin fehlt hier fast ganz. Stattdessen leben die Weine von Säure und feinen Aromen nach grünem Apfel und Limette, weshalb ein zu großes Glas diesen Eindruck verdünnt, weil zu viel Luft an die Oberfläche kommt. Ein schmales, hohes Weißweinglas hält den Wein kühl und die Aromen konzentriert, spitz auf die Zungenmitte gerichtet, wo die Säure am meisten wirkt.
Syrah verlangt noch ein drittes Glas. Für die Wüstenhitze Walla Wallas empfehlen viele Sommeliers ein mittelgroßes Format, schmaler als das Bordeauxglas, aber weiter als das Rieslingglas, weil es die charakteristische Pfeffernote der Sorte bewahrt, die in einem zu weiten Kelch schnell verfliegt. Kein Glas passt hier auf alle Weine gleich gut. Wer durch Washington probiert, wechselt das Glas fast so oft wie die Sorte im Glas.