
Frucht statt Rauch
Verkosten
Rauch erwartet, wer zum ersten Mal tasmanischen Whisky probiert, und wird meistens überrascht. Die meisten Abfüllungen der Insel sind fruchtig und malzig. Geprägt werden sie von den Weinfässern, in denen sie reifen, nicht von Torf. Wer Islay oder Speyside kennt, muss seine Erwartung auf Tasmanien neu justieren.
Sullivans Cove French Oak Cask zeigt das gut: dunkle Trockenfrüchte, etwas Karamell, ein weicher, weinartiger Abgang von den ehemaligen Tasmanien-Wein-Fässern. Overeem Port Cask geht in eine ähnliche Richtung, nur kräftiger und süßer, mit Beerennoten vom Portwein.
Wer doch Rauch sucht, findet ihn bei Belgrove. Der Peated Rye kombiniert die würzige Schärfe von Roggen mit salzigem Küstentorf-Rauch. Geschmacklich liegt er näher an Islay als alles andere, was sonst auf der Insel entsteht.
Am besten probiert man diese Whiskys pur oder mit ein paar Tropfen stillem Wasser. Das öffnet die Fruchtnoten, ohne sie zu verwässern. Ein tulpenförmiges Nosing-Glas konzentriert den Duft dabei deutlich besser als ein breites Tumbler-Glas.
Zwischen einzelnen Fässern schwankt der Geschmack stärker als bei großen schottischen Marken, weil fast alles in kleinen Chargen oder als Einzelfass abgefüllt wird. Zwei Flaschen derselben Brennerei können sich deshalb spürbar unterscheiden.
Wer mehrere tasmanische Whiskys nebeneinander probiert, schmeckt vor allem das Fass heraus, nicht die Brennerei. Das macht die Verkostung auf der Insel eher zu einer Reise durch Weinnoten als durch Rauchnoten, mit dem Fass als eigentlichem Erzähler.