
Jung, fruchtig, neu
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Englischer Whisky schmeckt jung, und das ist kein Makel. Weil kaum eine Brennerei älter als zwanzig Jahre ist, dominieren Fass und frisches Getreide den Geschmack, nicht die Patina langer Lagerung. Wer Erdigkeit und Torfrauch erwartet, wird oft überrascht: Es geht meist heller zu, fruchtiger, manchmal fast wie Traubenmost.
Bimbers erste offizielle Abfüllung, schlicht „The First" genannt, zeigte 2019 genau diesen Stil: dicht, ölig, mit reifer Frucht aus den Ex-Bourbon- und Sherryfässern. Die 1.000 nummerierten Flaschen waren binnen drei Stunden vergriffen, ein Hinweis darauf, wie viel Neugier auf englischen Whisky wartete.
Der Cotswolds Single Malt Whisky setzt stärker auf die STR-Fässer: Kirsche, Karamell und ein Hauch Gewürz durch die frisch getoastete Eiche, dazu die Süße der Cotswolds-Gerste im Hintergrund. St George's Distillery zeigt mit ihrer Cask-Strength-Abfüllung die andere Seite: unverdünnt, kräftig, mit deutlichem Getreidekern aus Norfolk.
Am besten probierst du englischen Whisky pur oder mit ein paar Tropfen stillem Wasser, das öffnet die feineren Fruchtnoten. Ein Nosing-Glas mit engem Kelch hilft, weil sich der Alkohol darin sammelt, bevor du ihn wegkippst und in Ruhe riechst. Zeit lassen lohnt sich: Nach ein paar Minuten im Glas verändert sich das Aroma oft deutlich.
Vergleichen lohnt sich mehr als einzeln zu urteilen. Stell zwei Gläser nebeneinander, einen jungen Malt aus Norfolk und einen aus den Cotswolds, und rieche abwechselnd. Der Unterschied zwischen Kreidewasser und STR-Fass wird so viel klarer, als wenn du nur ein Glas für sich betrachtest.