
Honig statt Torf
Verkosten
Wer zum ersten Mal an einem Yamazaki riecht, erwartet oft Rauch und findet stattdessen Honig, reife Aprikose und einen Hauch Orangenschale. Das überrascht selbst erfahrene Scotch-Trinker. Torf sucht man hier fast vergeblich. Die Brennerei setzt stattdessen auf Frucht und auf das Holz.
Der Yamazaki 12 Jahre zeigt das am deutlichsten: Vanille, Apfel, ein Spritzer Salz, dazu tropische Töne, die an Ananas erinnern. Im Abgang kommen schwarze Kirsche und weißer Pfeffer dazu.
Der Yamazaki 18 Jahre reift länger in Sherry-Fässern und schmeckt entsprechend dunkler, nach brauner Butter und nassem Waldboden. Der Abgang ist lang und trocken. Zwischen beiden Flaschen liegen sechs Jahre Fass, aber ein ganz anderer Charakter.
Die Yamazaki 18 Jahre Mizunara Cask geht noch einen Schritt weiter und reift vollständig in japanischer Eiche. Sandelholz, Räucherstäbchen und eine leicht harzige Süße treten hier so klar hervor wie in kaum einem anderen Whisky. Wer beide Fassarten im Vergleich probiert, schmeckt sofort, wie stark allein das Holz den Charakter prägt.
In Japan trinkt man Yamazaki oft nicht pur, sondern als Mizuwari, verdünnt mit stillem Wasser und viel Eis, oder als Highball mit Soda. Das klingt zunächst ungewohnt. Es öffnet die feinen, eher leisen Aromen aber besser als ein zu konzentrierter Schluck aus dem Nosingglas.
Wer ihn pur probieren will, sollte trotzdem zuerst ohne Eis kosten: Bei Zimmertemperatur zeigt der Yamazaki seine Frucht am offensten, bevor Wasser oder Kälte sie zurückdrängen.