
Kraft statt Zurückhaltung
Verkosten
Texanischer Whiskey schmeckt selten zurückhaltend. Die schnelle, heiße Reifung zieht viel Fass in kurzer Zeit heraus. Deshalb treffen Fassnoten wie Karamell, Vanille und Gewürzeiche oft auf sehr viel Kraft: Hohe Trinkstärken sind in der Szene fast Standard, nicht die Ausnahme. Wer das zum ersten Mal probiert, sollte sich auf mehr Wucht einstellen als bei einem milden Blend.
2010 gewann Balcones aus Waco mit Baby Blue doppeltes Gold bei der San Francisco World Spirits Competition, als Corn Whiskey aus geröstetem blauem Mais. Er zeigt, wie süß und fast schokoladig reiner Mais schmecken kann, ganz ohne den Vanilleton, den neues Eichenholz sonst mitbringt.
Der Texas Single Malt „1" von Balcones geht in eine andere Richtung: malzig und dicht. Manche Verkoster erinnern sich dabei an geräuchertes Fleisch, fast wie ein Hauch von texanischem Barbecue im Glas. Das kommt nicht vom Rauch selbst, sondern von der intensiven Fasswechselwirkung.
Garrison Brothers' Texas Straight Bourbon aus Hye steht für die dritte Richtung: viel Holz, viel Frucht, ein Abgang, der lange bleibt. Bei solch kräftigen Whiskeys lohnt sich immer ein Tropfen Wasser im Glas. Er öffnet die Aromen, ohne sie zu verwässern.
Am besten probiert man alle drei nacheinander, vom milden Mais über den malzigen Single Malt bis zum kräftigen Bourbon. Zwischen jedem Schluck lohnt sich eine kurze Pause, damit die Zunge sich erholt und den nächsten, stärkeren Whiskey klar unterscheiden kann.