
Birkenkohle und Sand
Filtration
Nach der Rektifikation ist der Alkohol technisch schon sauber. Für den fertigen Wodka reicht das Brennereien wie Liviko in Tallinn trotzdem nicht. Sie filtrieren zusätzlich, meist über Säulen aus Birkenkohle oder Quarzsand, durch die der verdünnte Alkohol vor der Abfüllung noch einmal läuft.
Birkenkohle wird aus dem Holz der überall im Land wachsenden Birken gewonnen. Sie wird bei hoher Temperatur ohne viel Sauerstoff verkohlt, ähnlich wie Aktivkohle. Ihre poröse Oberfläche bindet feinste Spuren von Fuselölen und Schwefelverbindungen, die auch die beste Rektifikationskolonne nicht vollständig entfernt. Das macht den Geschmack runder und etwas weicher am Gaumen.
Quarzsand arbeitet mechanischer. Er hält winzige Partikel zurück und sorgt für eine klare, glänzende Flüssigkeit, verändert den Geschmack selbst aber kaum, anders als die Birkenkohle. Manche Brennereien kühlen den Wodka vor dieser sogenannten Kaltfiltration zusätzlich herunter, weil sich bei niedrigen Temperaturen mehr Trübstoffe absetzen und leichter herausfiltern lassen.
Was die Filtration nicht kann, ist aus einem mittelmäßigen Rohbrand einen großartigen Wodka machen. Sie glättet und poliert nur, was durch Maische und Rektifikation an Qualität schon vorhanden ist, mehr nicht. Werbetexte sprechen trotzdem gern von Wunderwirkungen, die sich unter nüchternen Bedingungen kaum nachweisen lassen. Genau deshalb bleibt die Wahl von Rohstoff und Kolonne wichtiger als jede Behauptung über Kohle oder Sand.
Wer zwei baugleiche Wodkas nebeneinander verkostet, einen mit und einen ohne Kaltfiltration, schmeckt meist einen feinen, aber keinen dramatischen Unterschied.