Region & Geschichte in der Region Südfinnland

Quelle und Staatsmonopol

Region & Geschichte

1888 baute der Arzt Wilhelm Juslin neben einer Quelle im südfinnischen Dorf Rajamäki eine kleine Brennerei. Das Wasser kam aus einem Esker, einem langen Sandrücken, den die letzte Eiszeit vor über zehntausend Jahren aufgeschüttet hatte. Schon damals galt es als ungewöhnlich rein.

Dreißig Jahre später änderte sich alles. Am 1. Juni 1919 trat in Finnland das Kieltolaki in Kraft, das Verbot für starken Alkohol. Das junge, gerade unabhängig gewordene Land wollte mit der Prohibition ein soziales Problem lösen. Der Staat kaufte Juslins Brennerei in Rajamäki 1920 auf, um Apotheken weiter mit Alkohol für medizinische Zwecke zu versorgen.

Das Verbot hielt die Finnen nicht vom Trinken ab. Schwarzbrennereien und Schmuggler versorgten das Land, die beschlagnahmten Mengen stiegen von rund 296.000 Litern 1920 auf über eine Million Liter 1930. Bei einer Volksabstimmung stimmten 1932 rund siebzig Prozent für das Ende des Verbots. Am 5. Mai 1932 öffneten die ersten staatlichen Alkoholläden.

Der neue Staatsbetrieb hieß zunächst Oy Alkoholiliike Ab, später kurz Alko. Er kontrollierte Herstellung und Verkauf zugleich, in Rajamäki lief die Produktion weiter. 1970 brachte Alko dort die Marke Finlandia auf den Markt, destilliert aus finnischer Gerste und dem Quellwasser des Ortes.

Als Finnland 1995 der EU beitrat, musste der Staat sein Produktionsmonopol aufgeben. 1999 wurde die Herstellung als eigenes Unternehmen namens Altia ausgegliedert, der Einzelhandel blieb bei Alko. Ein Versuch, auch Altia vollständig zu privatisieren, scheiterte 2001 am Widerstand im Parlament. 2021 fusionierte Altia mit der norwegischen Arcus-Gruppe zu Anora, dem heutigen Eigentümer von Finlandia und Koskenkorva.

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